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Den Anstoß zum heutigen Piemonteser Wein gab eine streng gläubige Katholikin: Marchesa Giulia Falletti di Barolo.

 Der Winter ist hart im Piemont. Schnee und Frost kommen bis weit in den Frühjahr vor. Es gedeihen nur wenige Sorten in solchen Verhältnissen. Edle Sorten.

Der Winter ist hart im Piemont. Schnee und Frost kommen bis weit in den Frühjahr vor. Es gedeihen nur wenige Sorten in solchen Verhältnissen. Edle Sorten.

Geboren 1786 in Frankreich als Julia Vittorina Colbert de Maulevrier wurde sie 1806 mit Carl Tancredi Falletti di Barolo verheiratet. Wohl von ihrem Vater eingefädelt, folgte die Heirat der Tradition, über vernetzte Familienbande im Adel stabile Verhältnisse im weitläufigen Reich zu schaffen. Napoleon soll die Heirat mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen haben.

Die Familie Falletti gehörte zu den sehr wohlhabenden im Piemont, mit ausgedehnten Ländereien um Barolo. Der Vater war Senator in Turin und Mitglied der Akademie der Wissenschaften. In der Familie wurde über Novellen und nicht über Schlachtpläne gesprochen – nicht selbstverständlich im italienischen Adel: Das Piemont war unter französischer Besatzung.

Julia entwickelte sich als treibende Kraft einer ganzen Reihe von Projekten für sozial Schwache: Schulen für Arme, Kinderheime und diverse Hilfseinrichtungen, besonders für Mädchen und Frauen.


Ihr vom Glauben geprägter Wunsch nach gesellschaftlichem Ausgleich fand in der neuen Familie, aber auch in der Turiner Gesellschaft große Resonanz. Der Prozess zur Seligsprechung der Marchesa begann 1991 in der Sankt-Lorenzo-Kirche in Turin.

Mit dem Wein war sie über die Ländereien in Barolo verbunden, auf denen der zu dieser Zeit übliche Wein angebaut wurde. Sie hatte einen ausgeprägten Geschäftssinn, erforderte ihre Wohltätigkeit doch keine kleinen Summen.

Ihre erwirtschafteten Gelder dienten nicht ihrer Eitelkeit, sie hatte eine genaue Vorstellung vom Zweck der Mittel. Gier war ihrem Streben fremd. Vielmehr verband sie Humor mit ihrem Wirken, was ihren Ruf und ihr Ansehen nur verstärkte. Die Einführung ihrer Weine am Hof von Turin war eines ihrer Kabinettstücke.

Der junge Carlo Alberto – ein deutschstämmiger Adliger und späterer König von Piemont-Sardinien, mit seiner Ausbildung in Dresden, Genf und Paris auf Augenhöhe mit der internationalen Julia – äußerte scherzhaft sein Bedauern über die Möglichkeit der Konversation über den Wein der Marchesa. Er kenne ihn schlicht nicht.

Wenig später rollten Gespanne mit 325 Fässern ihres Weines unter großem Hallo in den prunkvollen Palazzo Reale in Turin. Für jeden Tag des Jahres eines. 40 Tage Fastenzeit berücksichtigt.

Der Erlös des Handels mit dem Hofe reichte schon bald nicht mehr für ihre Projekte. Durch ihre Herkunft wusste sie, dass der Markt für Wein größer war als der mit den Adelshäusern des Piemont.

Nur war der süße Wein ihrer Güter international nicht zu vermarkten, auch das war ihr klar: Französische Weine waren international das Maß und enorm erfolgreich. Süßen Nebbiolo wollte damals außerhalb des Piemont kein Mensch trinken.

Als Marchesa Giulia, die sie geworden war, engagierte sie den französischen Önologen Louis Oudart, um auch im Piemont einen international erfolgreichen Wein zu erzeugen. Der schüttelte, kaum angekommen, den Kopf: «Warum baut Ihr eine so wunderbare Sorte wie den Nebbiolo süß aus?» Und begab sich an die Arbeit. Innerhalb weniger Jahre war der süße Piemonteser Wein verschwunden und der moderne Nebbiolo zu den besten Weinen Italiens aufgestiegen.

Der moderne Barolo hat mit diesen alten Erfolgen immer noch nichts zu tun: Weltkriege und Strukturprobleme haben dem Weinbau im Piemont rund 100 Jahre später erst einmal zu Erliegen gebracht. Der Aufstieg war wieder einzelnen Pionieren zu verdanken und wieder wohlhabenden Gutsbesitzern.

Der gute Name des Barolo hatte sich aber über die Kriege gerettet und wesentlich zu dem späteren Erfolg beigetragen.

Heute sind die Weine im Piemont bürgerlich: auch kleine Betriebe erzeugen sehr gute Weine und können gut davon leben. Manche von ihnen haben es sogar in die Region der Starwinzer geschafft und können gesalzene Preise verlangen, wie es früher nur dem Adel möglich war. Aber nicht alle. Was für ein Glück!