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Licht und Schatten - der Blattschnitt

Blattschnitt und Laubarbeit im Weinberg

Gedämpftes Sonnenlicht scheint auf Prosecco Trauben von Denis Spagnol bei Valdobbiadene

Journal - Weinberg - 2. August 2008

Eine Rebe im Weinberg führt ein Leben, dass sie aus freien Stücken nie führen würde. Reben sind Kletterpflanzen mit einem starken Drang zum Wuchs. Damit sie Trauben erzeugt, aus denen hochwertiger Wein gewonnen werden kann, schneidet der Winzer das ganze Jahr hindurch an ihr herum, bindet Triebe an Gestellen fest oder Pflegt den Boden.

Die Energie der Rebe wird in die Ausbildung der Trauben gelenkt. Früher wollte man möglichst viele Trauben von jeder Pflanze lesen. Weine, die aus solchen Trauben gewonnen werden, mag heute niemand mehr trinken. Heutige Winzer reduzieren den Ertrag pro Pflanze. Wie stark, hängt von der Qualität ab, die sie erreichen wollen.

Nun ist es nicht so, dass man mit einer Rebe machen kann, was man will: sie muß auch in einem Weinberg in ihrem natürlichen Gleichgewicht stehen. Ein wesentlicher Einfluß auf dieses Gleichgewicht sind die Blätter an den Reben. Sie erzeugen durch die Photosynthese die Nährstoffe für die Reben. Und sie spenden Schatten. Durch Herausschneiden von Blättern - dem Blattschnitt oder der Laubarbeit - kann der Winzer eine dieser Wirkungen hervorheben.

Es müssen nur so viele Blätter an der Rebe bleiben, dass sie ausreichend versorgt wird. Ausreichend versorgt bedeutet nicht nur das Überleben der Pflanze, sondern besonders auch die geschmackliche Reife der Trauben. Die benötigt diverse Nährstoffe, die direkt oder indirekt mittels der Blätter gewonnen werden.

Die Beschattung der Trauben ist ein wahrer Spielball des Winzers. Auf dem Château La Dorgonne im Luberon entfernt Nicolas Parmentier im Juli die Blätter auf der Seite der Morgensonne, damit die wärmenden Strahlen den Morgentau trocknen und Krankheiten verhindert werden. Im August wird die Abendsonne genutzt und die Blätter auf der Seite der untergehenden Sonne entfernt. Die Trauben reifen in dem späten kräftigen Licht aus. Zudem wird in warmen Trauben die unerwünschte Apfelsäure abgebaut, was den Rotweinen von Dorgonne sehr gut bekommt.

Weißwein braucht hingegen Säure, um nicht flach und fade zu wirken: der Lichteinfall der Abendsonne ist eher unerwünscht und ein Rieslingwinzer am Rhein wird seine Blätter ganz anders betrachten als Nicolas Parmentier, der um seine Rotweine im Luberon besorgt ist.

Der Schatten, den die Blätter spenden, ist auch Windschatten, der die Durchlüftung der Reben beeinträchtigt. Gut durchlüftete Reben trocknen nach Regen schneller und verhindert Krankheiten und Fäulnis, die sich in stehender Feuchte in den Pflanzen bilden kann. In Jahren mit feuchter Witterung wird weniger Blattwerk an den Reben bleiben als in einem mit ausgeprägtem Sonnenschein. Wenn ohnehin schon kaum die Sonne scheint, kann aber auch nicht beliebig Blattwerk herausgeschnitten werden. Für diese Maßnahmen gibt es kaum ein richtig und falsch. Es ist Erfahrung und Fortune, die einen Winzer bei seiner Wahl die richtige Entscheidung treffen lassen, oder nur die fast richtige.

Auch wer noch nie einen Weinberg gesehen hat, geschweige darin gearbeitet hat, wird leicht verstehen, dass das Entfernen von Blättern eine sehr aufwendige Arbeit ist. Maschinen erleichtern oft die Arbeit, aber die Qualität der Maßnahme steigt mit dem Aufwand, den ein Winzer betreibt. Gerade anhand von Kleinigkeiten wie der Laubarbeit unterscheiden sich Weine, die besondere Qualitäten entwickeln und gute Weine.

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