Chenin Blanc und die großen Weine von Vouvray -
und der Familie Champalou

Chenin Blanc ist die Traubensorte von Champalou in Vouvray. Die Weißweine und der Sekt von Champalou aus dieser Traube gehören zu den besten aus Vouvray. Und aus Vouvray kommen die besten Cheninweine!
Aufgenommen: 8. April 2009
Die Weinberge an der Loire sind mit kühlem Klima und kargen Böden gesegnet. Was sich wenig anziehend anhört, erfreut eigentlich auch die Reben nicht sonderlich: Reben sind Wucherpflanzen, die so richtig wuchern, wenn es warm und feucht ist. Ihre Früchte, die Trauben, werden dick und süß, von den Vögeln gefressen und die Samen verbreiten sich im Fluge.
Catherine und Didier Champalou erzeugen mit viel Hingabe ihre Weine
Die Jahrhunderte alten Gemäuer von Champalou wurden im Inneren auf den modernen Stand gebracht. Sie zeugen aber immer noch im positiven Sinne von der Tradition des Weinbaus an der Loire.
Die Trauben für interessanten Wein sind dagegen die häßlichen Enten unter den Beeren: klein und mit viel Fruchtsäure sollen sie sein. In den Schalen sind die bitteren Geschmacksstoffe, die erst den wirklichen Weingeschmack ergeben.
Durch die kleinen Beeren ist das Verhältnis von Schale zu Fruchtfleisch hoch: das Bittere der Schalen überwiegt. Beißt man bei einer Wanderung in den Weinbergen in eine dieser Trauben, hat man nach einer schon genug: sie schmecken nicht. Den Vögeln übrigens auch nicht. Daher werden nie Netze über Reben gespannt, wie bei den Obstbäumen.
An der Loire haben sich einige Traubensorten als besonders geeignet für diese Bedingungen herausgeschält. Sie wachsen recht klar getrennt voneinander in verschiedenen Appellationen. Um Vouvray ist der Chenin Blanc zur bestimmenden Sorte «herangewachsen». Der Chenin ist eine heikle Sorte, die auf idealem Terroir wie um Vouvray sehr brillante, ausdrucksstarke Weine hervorbringt. Ist es zu warm, ernten Winzer zu viel oder achten sie nicht mit geradezu unermüdlichem Eifer auf die Gesundheit ihrer Cheninreben, ist es vorbei mit der Herrlichkeit.
Einer der Winzer, der sich seit vielen Jahren mit seinen Chenin Weinen aus Vouvray hervortut, ist die Domaine Champalou. Catherine und Didier Champalou haben das Jahrhunderte alte Gut 1985 übernommen und erzeugen auf 22 Hektar einige der schönsten Weine von Vouvray. Es sind alle Weintypen, mit denen Champalou das hohe Niveau von Vouvray reprasentiert: trockener Weißwein, die edelfruchtigen süßeren Weine und der wunderbare, ausdrucksstark - feingliedrigere Sekt.

Didier Champalou rüttelt seine Sektflaschen per Hand. Das ist eigentlich unwichtig - wichtig für die Qualität von dem Sekt ist der enge Kontakt der Hefe in den Flaschen mit dem Sekt. Nur in den kleinen Flaschen ist der Kontakt intensiv genug, um die feinen Aromen zu erzeugen. Und der Sekt kann lange genug in den Flaschen reifen, bevor er verkauft wird.
Das Rütteln befördert nur die Hefe in den Flaschen zum Flaschenhals, damit sie aus der Flasche herausgeschossen werden kann. Sehr schön sieht man, dass die Flaschen mit einem Kronkorken verschlossen sind. Nach dem Rütteln ist die Hefe ein Pfropfen vor dem Kronkorken. Beim Öffnen schießt die Hefe heraus und der Sekt wird mit dem üblichen Korken und dem Draht verschlossen. «Degorgieren» nennt man das.
Der Respekt vor der kritischen Sorte Chenin, die bei entsprechendem Einsatz so wundervolle Weine hervorbringt, ist die Basis für die Weine von Champalou. Sie werden aus der Natur heraus erzeugt, das heißt ohne chemische Hilfsmittel und ohne den langsamen Prozeß der Reife der Weine im Keller zu stören. Während die Weine nach der Gärung in den Fässern von Champalou ruhen, entwickeln sie ihre wundervolle Tiefe.
Der Grundstoff für die Klasse sind aber die Beeren an den Cheninreben von Champalou. Die Gerbstoffe der Schalen werden nur in dem Maße herausgelöst, wie es die Struktur der Weine erweitert. Die Fruchtsäure gibt dem Wein seine herrliche Frische. Der geringe Zuckergehalt, der beim Naschen im Weinberg so untergeht, vergärt zu dem eher verhaltenen Alkoholgehalt, der in schönem Wechselspiel mit der Säure und den Aromen steht.
Das ist das Ergebnis, das nur in kalten Regionen erreicht wird: die Trauben wurden hochreif, mit dem vollen Spektrum der Geschmacksnuancen, zu denen Chenin fähig ist geerntet. In wärmerem Klima - weiter im Süden - hätte ein Wein aus vollreifen Trauben 14.5% Alkohol und weniger Profil.