Aromen ruhender Reben: Clos de Camuzeilles

Die Reben schätzen ihre Nachbarn: duftende Büsche von wildem Rosmarin, Thymian und Ginster
Kategorie: Winzer - 23. Juli 2008
Es klingt zunächst ein wenig paradox, dass ausgerechnet in einer ehemaligen Hochburg einfacher Trinkweine der biologische Weinbau heimisch wird. Im Languedoc liegen abseits der Touristenpfade viele ehemalige Weingüter mit alten, brachliegenden Weinbergen.
Kleine Güter, die bis vor einigen Jahrzehnten ihre Weine in der Nachbarschaft oder ihre Trauben an die lokale Cooperative verkauft haben, die aus den Trauben vieler dieser kleinen Winzer Wein erzeugten. Die Weine wurden an Geschäfte und Supermärkte verkauft.
Als die Supermärkte immer zahlreicher wurden, brach dieses System zusammen. Die immer größeren Mengen, die von den Einkäufern der großen Ketten gefragt wurden, konnte von den Cooperativen nicht mehr geliefert werden. Mit den großen Mengen kam auch der Preisverfall - Trauben in großen Mengen gab es billiger in Afrika und Südamerika.
Die Lese von Hand
Die Lese der Trauben für die Weine des Clos du Camuzeilles wird von Hand vorgenommen. Beim Transport zum Weingut bleiben die Trauben in den kleinen Körben unversehrt. Zerplatze Beeren können bereits vor der Gärung im Weinkeller Fehltöne entwickeln.
Mähen statt sprühen
Auf dem Clos des Camuzeilles werden die Rebanlagen rein mechanisch gepflegt. Die Blumen neben den Reben erhöhen die Artenvielfalt.
Aroma als Motiv
Laurent Tibes setzte auf dem Clos des Camuzeilles von Beginn an auf eine rein biologische Arbeitsweise. Dabei ist für ihn, wie für viele Winzer die biologisch arbeiten, das Ergebnis, also die Aromenvielfalt seiner Weine die Motivation für diese Arbeitsweise.
Wer von seinem Weingut leben wollte, mußte beträchtliche Mengen ernten - es gab ja fast nichts mehr für einen Tankwagen voll Wein. Die Kinder der Winzer haben sich verständlicher Weise nicht um die Höfe gerissen, die zu einem harten Leben in Armut führten und gingen andere Wege.
So, wie sich der Weinmarkt mit den Supermärkten änderte, ist es heute der aufkeimende Überdruß über eben diese Supermärkte die eine Weiterentwicklung ermöglichen. Die Massenweine haben zwar immer noch den größten Markt, aber es haben viele Weinfreunde Geschmack entwickelt und suchen die ausdrucksstarken Weine im Angebot.
Gerade die Abgeschiedenheit manch alter Weingüter im Languedoc - oft mit Jahrzehnte alten Reben auf kleinen Weinbergen - sind heute wieder interessant. Die verstreuten Weinberge liegen mitten in der Natur: Monokulturen gibt es nicht. Auch keine Gift spritzenden Nachbarn, die das biologisches im Umfeld empfindlich stören würden.
Diese Chancen nutzen Winzer wie Laurent Tibes vom Weingut Clos des Camuzeilles: er kaufte eines dieser Güter, um Weine auf sehr hohem Niveau biologisch zu erzeugen. Die Reben für die Weine des Clos des Camuzeilles stehen in einer wilden Landschaft, inmitten von Rosmarin, Thymian und vielen anderen Büschen, Hecken und kleinen Waldstücken. Die abwechslungsreiche Flora bietet einen gesunden Lebensraum, in den die Reben integriert sind. Bestandteil dieses Lebensraumes sind auch die vielen Nützlinge, die in und mit den verschiedenen Pflanzen leben.
Die Arbeit im Keller setzt die konsequente Orientierung auf einen schonenden Umgang mit der Natur fort: es wird so wenig wie nur möglich in den Prozess der Maischung und Gärung eingegriffen. Laurent Tibes arbeitet nur mit natürlichen Hefen, die auf den Früchten in seinem gesunden Weinberg gedeihen. Sie ergeben beeindruckend ausdrucksstarke Weine, erfordern aber ein höchstmögliches Maß an Sauberkeit im Weinkeller.
Neben diesen Weinen ist mit seiner Arbeit auch wieder ein Stück Kultur in der Region entstanden. Die Kultur des Verstehens der Natur und einem Verständnis von Weinaromen, dass die Vorbesitzer dieser Weingüter nie hatten. Wie viele andere Winzer verzichtet Laurent Tibes konsequent auf jedes «bio» auf seinen Flaschen.