Fast schon vergessene Rebsorten aus dem Friaul

Die Etiketten von Bulfon sind einem alten Fresco nachempfunden
Emilio Bulfon, Friaul - 19. August 2008
Emilio Bulfon hat sich ausschließlich alten, entweder ausgestorbenen oder zumindest seltenen Rebsorten verschrieben. Sorten wie Forgiarin, Sciaglin oder Piculit Neri sind alte, autochtone Rebsorten des Friaul. Sie verschwanden (zumindest fast) mit der Reblauskatastrophe Ende des 19. Jahrhunderts.
Die Reblaus befiel und zerstörte nahezu alle Rebanlagen in Europa, während amerikanische Rebstöcke sich als resistent gegen die Plage erwiesen. Also wurden alle eingegangenen Rebanlagen Europas gerodet und mit neuen, resistenten amerikanischen Rebstöcken bepflanzt.
Das bedeutete nicht, das nun alle amerikanischen Wein trinken mußten: die Rebstöcke wurden mit den alten Sorten veredelt, also Riesling, Syrah oder Merlot auf den Rebstock gepfropft. (Pfropfen ist tatsächlich der Fachbegriff hierfür) Auch die veredelten Rebstöcke werden von den Schädlingen nicht befallen.
Mit diesem Einschnitt verschwanden sehr viele der alten Sorten: die modernen erschienen - verständlicher weise - lukrativer für einen Neuanfang mit dem Weinbau. Etliche der Rebsorten, die Emilio Bulfon anbaut, galten als ausgestorben.
Wie ein Archäologe hat er in alten aufgegebenen Rebanlagen unter zugewuchertem Buschwerk nach einzelnen Rebstöcken gesucht, die dort überlebt hatten. Auf den rund sieben Hektar Rebflächen von Emilio Bulfon pflanzte er die so gefundenen Sorten nach über 100 Jahren wieder an und hat sie so zu neuem Leben erweckt. Was vor langer Zeit als unmodern galt, bereichert heute die Flora im Friaul. Für Weinfreunde bietet es eine ausgesprochen willkommene Gelegenheit, einmal wirklich «neue» Weine kennen zu lernen.
Die Etiketten zeigen eine Darstellung des letzten Abendmahles, die einem mittelalterlichen Fresko in der Kirche von St. Maria dei Battuti in Valeriano nachempfunden ist. Sie wurden in verschiedenen Farbvarianten von Bulfon selbst entworfen.