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Le Fraghe aus Venetien und der lange Weg zum echten Bardolino.

Le Fraghe in Venetien

Die dicken Mauern des imposanten Gebäudes sind ideal für einen Weinkeller

Le Fraghe, Venetien - 14. August 2008

Ihren eigenen Weg zu gehen hat sich Matilde Poggi vorgenommen, als sie 1984 das Weingut Le Fraghe von ihrer Familie übernommen hat. Ihr Weg führte ihr Weingut aus einer Sackgasse, die sich viele Winzer am Gardasee selbst gebaut haben: aus der Abhängigkeit von den Touristen. Sie kommen in Scharen, um die Region zu geniessen und erfreuen sich in Urlaubslaune auch an einfachen Tropfen unter der Abendsonne. Mit solchen Weinen ist heute kaum noch ein Wirtschaften möglich.

Viele Winzer sind dieser Versuchung erlegen und der Ruf des Bardolino ist so dünn wie viele Weine der Region. Wenige Kilometer weiter wird aus den gleichen Trauben Corvina und Rondinella der Amarone erzeugt. Diese Winzer haben genau das Gegenteil geschafft: sie trocknen die Trauben und erzeugen mit überschaubarem Mehraufwand enorm teure Weine.

Die Aromen der Sorten Corvina und Rondinella sind eher fein und duftig, aber sie haben eine eigene Note und ein Aromenspiel, dass in einem Amarone nicht unbedingt zu erkennen ist. Andere Winzer sind dem «neuen» Weinstil gefolgt: tiefdunkle Weine gewinnen sie aus den hellen Trauben und intensive Aromen neuer Barriques bringen «Parkerpunkte». Weder Corvinea noch Rondinella sind geschaffen für ein solches Geschmacksbild und die Weine erinnern an später des Dopings überführte Supersportler.

Die Weine von Le Fraghe folgen keinem Weinstil und keinen neuen Techniken: es sind Weine der Bardolino - Trauben und sie verkörpern deren Charakter. Matilde Poggi hat auf Le Fraghe vor über 20 Jahren begonnen, den Ertrag ihrer Weinberge zu reduzieren, um das Aroma in den Trauben zu seiner vollen Ausprägung reifen zu lassen. Das haben alle Winzer in bekannten Weinregionen gemacht, aber nicht am Gardasee. Die wenigen, die es doch gemacht haben, wurden belächelt wie ein Besitzer eines jeden Abend voll besetzten Restaurants, der 30% seiner Tische rauswirft, um sich um die verbleibenden Gäste besser kümmern zu können.

Mittlerweile lächelt Frau Poggi: ihr Festhalten an der Verbesserung ihrer Weine hat zu ihrem eigenen Weinstil geführt. Saubere Weine mit ausgewogenen Aromen und einem klaren Profil. Ihr eigener Weg war es, den Bardolino und die weiteren Weine von Le Fraghe das Terroir ihrer Weinberge und das Aromenbild der Traubensorten verkörpern zu lassen. Dafür mußte sie nicht nur die Qualität ihrer Weine verbessern, sondern auch quer zu den Moden und Märkten arbeiten. Letzteres war sicher zäher.

Aber zunächst waren es die Reben und die Weinbereitung, die von Grund auf geändert wurden. Nach und nach wurden die alten Reben gerodet und die doppelte Zahl Rebstöcke pro Fläche neu gepflanzt, um den Ertrag zu reduzieren und die Pflanzen zu tieferem Wurzeln zu bewegen.

Sie hat die übliche Pergola Erziehung der Reben, bei der lange Triebe an Gestellen ranken und viel zu viele Trauben bilden abgeschafft. Die Reben stehen nun im «Guyot» und «Cordon» System, die geringere Erträge und eine höhere Qualität der Trauben ergeben. Die Ernte wird von Hand durchgeführt und nur gesunde Trauben in die kleinen Körbe gelegt.

Der Weinkeller wurde in den 80ger Jahren komplett neu eingerichtet. Die Gärung wird temperaturkontrolliert durchgeführt, um die frischen Aromen des Weines zu konservieren. Nach der Gärung reift der Wein je nach Sorte einige Monate oder auch gut ein Jahr in großen Tanks aus Edelstahl oder Eiche. Sie entwickeln dabei nur ihr eigenes Arome, es werden keine Barriques zur Parfümierung eingesetzt.

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