Wenige Winzer in Kalabrien kehren zurück zu ihren griechischen Wurzeln. Wären es nur mehr!

Das Weingut Santa Venere in Ciro in Kalabrien
Santa Venere, Kalabrien - 12. August 2008
Tief im Süden Italiens besitzt Kalabrien mit seinem heißen Klima und seinen zum Teil recht hoch gelegenen Weinbergen ein hervorragendes Potential für den Weinbau. Die Griechen besiedelten oder besser okkupierten das Land schon vor Jahrtausenden und erzeugten damals schon hoch geschätzten Wein in Kalabrien. Die Sieger in Olympia sollen sich an ihm erfreut haben.
Von den Griechen sind nur noch Spuren vorhanden, manche Traubensorten tragen noch Namen, die an sie erinnern. Auch von den Qualitäten ihres Weinbaus sind leider nur noch Spuren vorhanden: in Form weniger, meist kleiner Erzeuger, die das Potential der Kalabriens nutzen und hochwertigen Wein erzeugen. Für den Rest der Gesellschaft ist es einfach zu verlockend, einfachsten Wein zu erzeugen und an Abfüller dubioser Billigweine im Norden zu verkaufen. Nicht zu vergessen der Strukturausgleich, EU Mittel und was sonst noch alles an irgendwie tätige Argarstrukturen gezahlt wird.
Biologischer Weinbau in Kalabrien
Die Lese von Hand, wie sie hier auf Santa Venere von einer fleissigen Helferin durchgeführt wird, dient dem letzten Schritt zu besonders schönen Weinen. Viele Güter pflanzen die Reben so, dass Maschinen die Arbeit erledigen können. Die besseren Ergebenisse werden bei engerer Pflanzung erreicht.
Die Reben bekommen weniger Nähstoffe am Boden und müssen tiefer wurzeln. Sie entwickeln auch die aromatischen Trauben unter solchen Bedingungen.
Die neuen Weingärten auf Santa Venere wurden nach diesen Qualitätsansprüchen angelegt. Es sollte keine wirtschaftliche Optimierung durch maschinelle Produktion wie auf vielen "neuen" Weingütern Süditaliens geschaffen werden. Dort sollen hohe Investitionen ebenso hohen Gewinn abwerfen und dazu sind große Erntemengen erforderlich. Auch diese Entscheidung macht das Gut ausgesprochen sympathisch.
In einem solchen Umfeld ist der Mut und der Aufbruchsgeist der Familie Scala besonders: sie besitzen das Anwesen Santa Venere seit 1600 und haben sich in den 90er Jahren dazu entschlossen, die Qualitäten ihres Anwesens auch zu nutzen. Alte Reben wurden wenn nötig ersetzt, neue Weinberge angelegt und der komplette Betrieb umgestellt.
Die Weinbereitung wurde modernisiert und dabei zu ihren Wurzeln zurück geführt: die Weine von Santa Venere werden biologisch hergestellt. Die Verwendung der alten Traubensorten und der Schritt hin zur Ausschöpfung des Potentials des Terroirs der Weinberge knüpft gut 2.000 Jahre nach den Griechen wieder an die Ursprünge des Weinbaus in Kalabrien an.
Wie bei den Griechen, werden auf dem Weingut Santa Venere Weine erzeugt, die nicht nur einen guten Ruf genießen, sondern auch die typischen Eigenarten ihrer Region verkörpern. Gaglioppo ist eine recht tanninreiche Sorte, die strukturierte Weine hervorbringt, die gut altern. Sie sollten nur wenig oder besser gar nicht im Barrique reifen, um ihren Charakter nicht zu verlieren.
Nerello Cappuccio ist eine ertragreiche Sorte, die viel Zucker produziert. Begrenzt man den Ertrag wird auch aus dieser Sorte ein aromatischer Wein gewonnen. Häufig werden diese zuckerreichen Trauben gelesen, wenn sie den maximalen Alkoholgehalt ergeben, um etwas dünnen Tropfen auf die Sprünge zu helfen. Der Ruf der Sorte bleibt daher weit hinter ihrem Potential zurück, wie der Vurgada von Santa Venere zeigt.
Die Sorte Greco deutet auf den griechischen Urspung hin. Es werden knackig frische Weißweine daraus erzeugt, die hervorragende Fischbegleiter sind. Diese leichten und fruchtigen Weine erleben den größten Sprung in der Qualität und der Ausgewogenheit der Aromen, wenn sich der Winzer beginnt seine Möglichkeiten auch zu nutzen.