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Karaffieren

Junge Weine mit relativ viel Gerbstoff und Tannin sind manchmal wegen der Säure noch keine rechte Freude. Oft sind solche Weine noch verschlossen - sie liegen verschüchtert im Glas, duften und schmecken nach wenig, oft sogar mit unangenehmen Noten.

Solche Weine gewinnen, wenn sie in eine Karaffe mit breitem Boden Luft bekommen. Die Reifung, die sonst über Jahre in der verschlossenen Flasche stattgefunden hätte, erledigt die Karaffe in einer oder drei Stunden.

Wein zu karaffieren ist auch ein gewisses Risiko: Wein altert wie jedes Lebensmittel an der Luft. Nur wenige Rotweine gewinnen, wenn sie über Nacht offen stehen - auch wenn es oft gemacht wird. Wird ein zu empfindlicher Wein karaffiert, oder zu lange gewartet, sind die schönsten Aromen dieses Weines möglicher Weise schon Vergangenheit, wenn er aus der Karaffe ins Glas kommt.

Gerade wenn man einen Wein nicht kennt, empfehle ich, den Wein im Glas zu probieren. Wirkt er noch verschlossen, hilft das genussvolle Schwenken und ein wenig Geduld: das relativ kleine Volumen im Glas nimmt den Sauerstoff sehr schnell auf und man nimmt Veränderungen im Wein sehr gut wahr. Das Risiko, den falschen Wein oder zu lange zu karaffieren, umgeht man so. 

Das Belüften von Wein stammt aus einer Zeit, in der die Kellertechnik rustikaler war als heute. Weine aus einer Rebsorte mit vielen Gerbstoffen  wie die Weine aus Cahors oder viele aus Bordeaux mussten oft erst einmal Jahre oder auch Jahrzehnte im Keller reifen, bis man sie mit Genuss trinken konnte.

Moderne Weine kommen selten mit ausgeprägtem Tanningerüst in den Handel. Sie werden bereits im Weinkeller oxidiert und kommen bereits jung als angenehmer Wein zum Kunden. Viele moderne Winzer lehnen den barocken Stil harter Tannine, die sehr lange Reifezeiten erfordern ab, weil es kaum noch Kunden wünschen oder sie schlicht keine Keller haben, in denen Weine jahrelang reifen könnten.