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WEINRAUM Wein aus gutem Grund
Das Weinjournal

Gigonas, Vacqueyras, Séguret, Rasteau

Die Village Weine aus der Provence

Kalk

Gigondas steht auf Jura- und Kreidegestein der Dentelles de Montmirail — 100 bis 250 Millionen Jahre alt. Der Kalk gibt den Weinen Spannung und ein straffes mineralisches Rückgrat.

Kiesel

Die Ouvèze hat während der Eiszeiten Alpenmaterial in die Ebene geschoben. In Vacqueyras liegen die Kieselschichten meterdick. Sie speichern die Tageshitze und geben sie nachts an die Trauben ab.

Mergel

Rasteau steht auf fossilem Meeresgrund — Tone und Mergel, fünf bis acht Millionen Jahre alt. Sechs verschiedene Bodentypen auf einer Gemeindefläche, die breiteste Stilpalette der Nachbarschaft.

Die Rebsorten der Dörfer sind ähnlich: Grenache, Syrah, Mourvèdre, Viognier oder Marsanne. Böden und Lagen sind sehr verschieden, die Weine aus der Provence können sehr verschieden wirken - wenn die Winzer sie lagenweise ausbauen und nicht alles vermischen, wie es lange üblich war.

Gigondas, Sablet, Séguret, Vacqueyras und Rasteau - Alle vier Orte liegen innerhalb weniger Kilometer voneinander, alle am Fuß oder in Reichweite der Dentelles de Montmirail, alle von der Ouvèze beeinflusst.
Trotzdem sind die Weine deutlich verschieden. Die Unterschiede zwischen den Dörfern sind die Böden und die Orientierung und Höhe der Weinberge. Als die Alpen entstanden sind in dem Bereich die Dentelles de Montmirail aufgeworfen worden. Der Boden wurde stark verformt, altes Gestein an die Oberfläche der heutigen Weinberge gehoben und Hänge verschiedener Ausrichtung und Höhe entstanden. Aus den dann erhobenen Alpen kamen zwischen den Eiszeiten große Mengen Material und Gestein, die sich in den heutigen Dörfern unterschiedlich abgelagert haben.
Die Weine aus Vacqueyras an der Ouvèze in der Provence - sie zählen zu den Weinen der Rhône.

Vacqueyras


Das Herzstück von Vacqueyras, Cru seit 1990, südlich von Gigondas, ist das Plateau des Garrigues — eine riesige, alte quartäre Terrasse (ca. 450.000 Jahre, Mindel-Eiszeit), die die Ouvèze aufgeschüttet hat. Dicke Schichten aus runden Kieseln, Feinsand und Ton, oft mehrere Meter mächtig. Das ist im Prinzip dasselbe Material wie auf den Terrassen von Rasteau (Crapon, Bellerive) — aber deutlich ausgedehnter und mächtiger. Dazu gibt es am Ostrand, Richtung Dentelles, kalkige Hangschuttböden und Sandstein.

Der Unterschied etwas zu Rasteau: Vacqueyras hat weniger Bodenvielfalt. Das Plateau des Garrigues ist der dominierende Terroir-Typ — eine große, relativ einheitliche Kieselfläche. Rasteau hat sechs deutlich unterschiedliche Bodentypen auf kleiner Fläche. Die Kiesel von Vacqueyras sind im Durchschnitt dicker und die Tonschicht darunter mächtiger. Das ergibt Weine, die noch kraftvoller und tanninbetonter sind als Rasteau — wärmer, robuster, manchmal weniger differenziert. In schwächeren Jahrgängen reifen die Trauben in Vacqueyras oft besser durch als bei den Nachbarn, weil die Wärmespeicherung der dicken Kieselschicht enorm ist.

Vacqueyras liegt windexponiert. Der Mistral bläst hier stärker durch — das trocknet die Trauben, reduziert Fäulnis, gibt den Weinen aber auch mehr Frische und Spannung, als man bei der Kraft erwarten würde. Der Name sagt es: Valléa Quadreria — Tal der Steine.
Weinberg in der Provence bei Sablet- die flachen Rebflächen in der Ebene der Ouvèze bringen die kräftigen Weine hervor.

Sablet


Côtes du Rhône Villages seit 1974, südöstlich, jenseits der Ouvèze.

Sand dominiert die Weinberge in Sablet (frz. Sand). Entkalkter roter Ton und Kiesel verschiedener Größe, dazu roter Sandstein. Am Ostrand, Richtung Dentelles, wird es steiniger und kalkhaltiger.

Sand speichert kaum Wasser (Ton tut das), drainiert sofort, erwärmt sich schnell an der Oberfläche, kühlt aber auch schnell ab. Das ergibt feinere, seidige Weine mit delikaterer Textur — weniger Wucht, weniger Extrakt, dafür mehr Transparenz und florale Noten. Sablet produziert deshalb auch deutlich mehr Weiß- und Roséwein als seine Nachbarn (ca. 10 Prozent). Die Clairette gedeiht auf den Sandböden besonders gut und bringt eine Frische, die auf den schweren Tonböden von Rasteau nicht entsteht.

Sablet ist kein Cru, sondern Côtes du Rhône Villages mit Ortsnennung. Das ist die Stufe unter Rasteau, Gigondas und Vacqueyras. Manche Sablet-Weine, besonders von den steinigeren Höhenlagen Richtung Dentelles, könnten qualitativ mit ihren Cru-Nachbarn mithalten.
Die Weine der Domaine Brusset sind in Gigondas sehr präsent - der Dorfplatz von Gigondas

Gigondas


Gigondas liegt direkt unter den Dentelles de Montmirail — einem Kalksteinmassiv, das sich vor 200 Millionen Jahren am Meeresgrund ablagerte (Jura, Kreide), dann durch die tektonischen Kräfte der Nîmes-Verwerfung aufgefaltet und senkrecht gestellt wurde. Die weißen Kalkzacken, die über dem Dorf stehen, sind das markante Zeichen dieses Teils der Provence. Die Reben stehen auf Kalk, Mergel, Sand und Sandstein aus dem Erdmittelalter (Trias, Jura, Kreide) — also Gestein, das 100 bis 250 Millionen Jahre alt ist. Dazu kommen in der Ebene Terrassen aus der Mindel-Eiszeit (ca. 450.000 Jahre), mit steinigem, sandig-tonigem Boden.

Kalk bestimmt in Gigondas den Grundcharakter der Weine. Kalk gibt Spannung, Frische, straffe Säure. Ton gibt Fülle, Rundheit, Wärme. Gigondas-Weine haben deshalb oft ein strafferes, mineralisches Rückgrat, Rasteau-Weine mehr Volumen und Wärme.

Die Höhe und Exposition der Weinberge von Gigondas reichen bis über 400 Meter, die Dentelles erzeugen Aufwinde, die die Temperaturspitzen kappen und nachts kühle Luft bringen. Die meisten Lagen zeigen nach West/Nordwest. Rasteau etwa liegt tiefer (bis 360 m), Südhang, volle Sonne, weniger Luftbewegung durch die Dentelles. Gigondas hat also kühlere Nächte — das verlängert die Reifezeit und gibt den Weinen mehr Eleganz und Lagerpotenzial.

In Gigondas ist ein Grenache-Anteil von mindestens 80 Prozent vorgeschrieben. Gigondas ist also ein reinerer Grenache-Ausdruck, was die Weine so markant macht.
c'est beau la haut - die Weine der Domaine La Perdrière oberhalb von Séguret. Die beiden Vacos sind sehr stolz auf ihre feinen Weine von den groben Kieseln
Séguret lehnt sich direkt an die Dentelles de Montmirail, am Fuß des Saint-Amand-Massivs (höchster Punkt der Dentelles, 730 m). Das ergibt drei Zonen übereinander: Unten, zur Ouvèze hin, eine Terrasse aus Ton-Kalk-Mergel auf ca. 140–150 Meter. In der Mitte, rund ums Dorf, Sandböden. Oben, an den Hängen der Dentelles, Kalkstein mit Geröll, bis auf 250 Meter und darüber. Jede Zone bringt etwas anderes: die Terrasse Konzentration, der Sand Finesse, die Berglagen Frische.

Séguret liegt auf der östlich der Ouvèze. Der Kalkstein der Dentelles, der im Tal der Ouvèze fehlt, ist in Séguret ab der mittleren Höhenlage bestimmend. Dazu kommt die kühlende Wirkung der Dentelles — Aufwinde, die nachts kalte Luft ins Dorf drücken. Das ergibt Weine mit Frische und Lebendigkeit, weniger Wucht, oft mit einer mineralischen Spannung, die an Gigondas erinnert, aber leichter ausfällt.

Status und Profil: Wie Sablet ist Séguret Côtes du Rhône Villages mit Ortsnennung, kein Cru. Aber Séguret ist eine der größten Villages-Appellationen (ca. 440 ha), hat die Ortsnennung seit 1967 — ein Jahr nach Rasteau den Villages-Status bekam — und produziert den meisten Rosé unter allen Rhône-Villages. Das Dorf selbst ist als eines der «Plus Beaux Villages de France» klassifiziert und touristisch deutlich bekannter als Sablet oder Rasteau. 1685 wurde hier die erste Weinbruderschaft (Confrérie) gegründet, die von einer Frau — der baylesse — geführt wurde.

Der Name: Vom provenzalischen Wort «segur» für sicher. Séguret liegt an einem steilen Hang mit gutem Blick über die Landschaft, aus der die Räuber kamen.