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WEINRAUM Wein aus gutem Grund
Das Weinjournal

Langhe und Roero | Was ist der Unterschied

Nebel (nebbio) im Piemont - der Nebbbiolo wurde nah ihm benannt.
Der Unterschied zwischen den piemonteser Weinen aus den Langhe und denen aus dem Roero liegt im Boden und der Art ihres Entstehens. Fast die gleichen Böden aus den gleichen Zeiten finden sich übrigens in Rasteau.

Vor etwa 15 bis 10 Millionen Jahren, im Miozän, lag das Gebiet der heutigen Langhe unter einem relativ tiefen Meer. In solchen Becken sinken sehr feine Partikel langsam zu Boden: Ton, Kalkschlamm und feinster Sand. Über lange Zeit verfestigten sich diese Ablagerungen zu dem, was man heute in vielen Weinbergen der Langhe findet: dichte, kalkhaltige Mergelböden. Diese Böden speichern Wasser gut und geben es nur langsam wieder ab. Für Reben bedeutet das eine gleichmäßige Versorgung über den Sommer hinweg. Die Trauben reifen nicht hastig, sondern langsam und relativ stabil. In den Weinen zeigt sich das oft als Struktur und Tiefe: Die Aromen bauen sich schrittweise auf, der Wein wirkt nicht sofort laut, sondern entwickelt Länge und Spannung.

Einige Millionen Jahre später veränderte sich die Geometrie dieses Beckens. Durch die fortschreitende Hebung der Alpen und die langsame Verformung ihres Vorlands kippten einzelne Teile des Meeresbodens leicht an oder wurden flacher. In dieser Phase, etwa vor fünf Millionen Jahren im Pliozän, lag der Raum des heutigen Roero nicht mehr unter einem tiefen Becken, sondern in einer viel flacheren Meereszone nahe der damaligen Küste. Unter solchen Bedingungen lagern sich andere Sedimente ab: keine schweren Tonmergel mehr, sondern vor allem Sande, wie sie in Küsten- und Strandbereichen entstehen. Diese Sandböden prägen den Roero bis heute. Sie sind locker, durchlässig und erwärmen sich schnell. Wasser wird kaum gespeichert. Für Reben bedeutet das eine ganz andere Situation: Die Pflanzen reagieren stärker auf Hitze und Trockenperioden, die Reife setzt früher ein, und die Trauben entwickeln ihre Aromen schneller.

Der scheinbare Widerspruch, dass im Roero geologisch jüngere Ablagerungen liegen als in den Langhe, obwohl beide Gebiete nebeneinander liegen, löst sich damit auf. Die Region war nie eine einzige gleichmäßige Fläche, sondern ein Vorlandbecken am Rand der Alpen, das sich über Millionen Jahre langsam verformte. Während einige Bereiche bereits aus dem Meer herausgehoben wurden und ihre älteren Sedimente freilegten, konnten sich in anderen Senken noch einmal jüngere Ablagerungen absetzen.

Das Piemont und der Mensche erscheinen im Pleistozän


Erst sehr viel später, im Pleistozän vor weniger als 2,6 Millionen Jahren, entstand die Landschaft, die wir heute sehen. Das Meer war längst verschwunden. Nun begannen Flüsse und Erosion die alten Meeresablagerungen freizulegen. Der Tanaro schnitt sein Tal tiefer in das Gelände ein und trennte die Hügelzüge voneinander. Dadurch wurden die unterschiedlichen Schichten sichtbar: die älteren Mergelböden der Langhe auf der einen Seite und die jüngeren Sandböden des Roero auf der anderen.

Für den Weintrinker ist diese geologische Geschichte kein akademisches Detail. Sie erklärt, warum Weine aus den beiden Gebieten so unterschiedlich wirken können, obwohl sie oft aus denselben Rebsorten entstehen. Auf den sandigen Böden des Roero entstehen häufig Weine, die früher zugänglich sind, aromatisch und duftig wirken und ihre Reize schnell zeigen. Die Langhe-Böden aus Mergel führen dagegen meist zu Weinen mit mehr innerer Struktur. Sie wirken zunächst oft zurückhaltender, entwickeln aber Tiefe und bleiben am Gaumen länger präsent.

Weine von Ghiomo aus den Langhe stammen aus den älteren Mergelböden des Langhe-Beckens, deren Ursprung im Miozän liegt, und tragen deren Charakter in sich: keine schnellen, flüchtigen Aromen, sondern eine ruhigere, strukturierte Art, die sich mit Luft und Zeit entfaltet. Wer solche Weine trinkt, merkt den Unterschied nicht in einem einzelnen spektakulären Aroma, sondern darin, dass der Wein im Glas mehr Raum einnimmt und länger wirkt. Genau diese Tiefe ist das Ergebnis jener alten Meeresböden, auf denen die Reben heute stehen.

Weine aus Rasteau aus ähnlicher Entstehung


Ein ähnlicher geologischer Gegensatz findet sich übrigens auch in Frankreich, in Rasteau an der südlichen Rhône. Dort entstanden die kalkreichen Hügel ebenfalls aus älteren marinen Sedimenten, während daneben jüngere, sandigere Ablagerungen liegen, die später von Flüssen und Erosion freigelegt wurden. Auch dort stehen also Weinberge aus verschiedenen geologischen Zeiten direkt nebeneinander, und auch dort prägt dieser Unterschied spürbar den Charakter der Weine aus Rasteau. Die Reben wachsen auf Böden, die nicht nur unterschiedlich zusammengesetzt sind, sondern aus ganz verschiedenen Phasen der Erdgeschichte stammen. Genau solche Unterschiede sind es, die man im Glas wiederfinden kann.