Die Hügel nördlich des Dorfes sind ehemaliger Meeresgrund. Ockerfarbene Tone und gelbe Süßwassermergel speichern Wasser und liefern die eleganteren, seidig strukturierten Weine von Rasteau.
Unten
Alpines Geröll, 200 Kilometer weit durch die Ouvèze transportiert. Die runden Steine auf den Schwemmland-Terrassen speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts an die Reben ab.
Terroirs
Die Weine aus einzelnen Lagen sind heute das besondere aus Rasteau. Kaum beachtet und was man einen Tip nennt. Wunderbare Weine.
Sechs verschiedene Terroirs in dieser kleinen Appellation. Frédéric Julien von der Domaine Gramiller verließ die Genossenschaft, um seine Parzellen getrennt nach Lage auszubauen. Das ist Wein aus gutem Grund.
Von Schwemmland bis Kalk: die perfekten Böden von Rasteau
Wer Weine von der Rhône mag, gerät bei Weinen aus Vacqueyras ins Schwärmen, bei Gigondas ist ein «ouu» eine Reaktion. Sablet kennt man kaum, Rasteau eigentlich auch nicht.
Die Unterschiede zwischen den Dörfern sind die Böden und die Orientierung und Höhe der Weinberge. Als die Alpen entstanden sind in dem Bereich die Dentelles de Montmirail aufgeworfen worden. Der Boden wurde stark verformt, altes Gestein an die Oberfläche der heutigen Weinberge gehoben und Hänge verschiedener Ausrichtung und Höhe entstanden. Aus den dann erhobenen Alpen kamen zwischen den Eiszeiten große Mengen Material und Gestein, die sich in den heutigen Dörfern unterschiedlich abgelagert haben.
Rasteau ist daher eine weitgehend unbekannte Lage für Wein geblieben. Ohnehin nur klein in der Ausdehnung, haben diese geologischen Veränderungen zu recht verschiedenen Lagen innerhalb von Rasteau geführt. Die Winzer haben früher nicht weiter auf diese Unterschiede geachtet, Lagen und Rebsorten wurden zu Cuvées verarbeitet, wie es gerade für einen Weinstil passend war. Einen charakteristischen Wein erzeugt man so nicht.
Die Ouvèze - die Brücke in Vaison la Romaine - transportierte während der Eiszeiten alpines Schmelzwasser und Geröll. Und zwar: sehr viel davon.
Die Ouvèze ist ein 93 km langer Nebenfluss der Rhône, die Quelle liegt in den Baronnies und sie mündet bei Sorgues in die Rhône. Die runden Kiesel (galets), die heute die Weinberge bedecken, stammen aus alpinem Material, das die Ouvèze bei der Gletscherschmelze in verschiedenen Höhenstufen ablagerte.
Es waren die Gletscher in den Alpen, deren Schmelzwasser die Ouvèze anschwellen ließ und das Material ins Tal trug. Gröberes Geröll blieb auf den höheren Terrassen liegen, feineres Material wurde weiter transportiert.
Die offizielle Terroir-Kartierung der AOC Rasteau benennt sechs Terroirs in dieser kleinen AOC, heute AOP.
Die viel älteren höheren Lagen in Rasteau. Mergel und Kies aus Flüssen.
1. Miozäne Mergel und Kiesel (oberes Miozän, ca. 11,3–5,3 Mio. Jahre)
Hügel nördlich des Dorfes, die kleinen Kämme (éperons), die wie Zinken einer Harke aussehen- lat. rastellum = Harke.
Zwei Untertypen: ockerfarbener Ton mit kalkhaltigen Kieseln / gelber Mergel (lacustrisch, also Süßwassersediment). Beide miozän, aber unterschiedliche Weinprofile.
Weine vom ockerfarbenen Ton: dunkel, rauchig, Garrigue-Noten, feine Tannine, straffe Struktur.
Weine vom gelben Mergel: violett, harzig, dichte seidige Tannine, schlankere Säure.
2. Pliozäne blaue Mergel (ca. 5–3,2 Mio. Jahre)
Marine Mergel, blau, mit feinen Sandeinlagen. Oft von Hangablagerungen überdeckt, sehr feinkörnig, mit hoher Wasserspeicherung und konstanter Nährstoffversorgung der Reben.
Besonders in Richtung Roaix, dort «blaue Tone» als Markenzeichen.
Weine: mattes Karmesinrot, intensive Marmeladen-Aromen (schwarze Frucht), schwarze Olive, feuchte Erde, Garrigue, Schokolade. Kräftig, aber geschmeidig.
Die tieferen Ablagerungen stammen aus «jüngerer» Zeit, zum Teil aus Überflutungen des Meeres.
4. Quartäre Schwemmland-Terrassen (Crapon und Bellerive)
Crapon: grobkörniger, sandiger. Bellerive: tonhaltiger.
Ablagerungen der Ouvèze — das sortierte Alpenmaterial.
Die runden Kiesel (galets) speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts an die Reben ab → Konzentration.
Weine: helles Purpur-Violett, geröstete/rauchige Noten, milde integrierte Säure, feine zarte Tannine.
5. Kolluviale Hangböden
Erosionsmaterial von den miozänen Hügeln, Mischung aus Kieseln und Mergel.
Leicht durchwurzelbar → gleichmäßige Reife.
Weine: helleres Karmesinrot, Garrigue/Salbei/Thymian, leichtere Struktur, Trinkspaß.
6. Safre (sandiger Mergel)
In der offiziellen Beschreibung als eigener Bodentyp aufgeführt.
Der Boden von Rasteau entstand durch das Wasser der Ouvèze, dem Meer, dem Eis und der Melange, als die Alpen sich erhoben
Der Meeresgrund (vor ca. 8–5 Millionen Jahren)
Die Alpen standen bereits — seit gut 30 Millionen Jahren schoben sie sich hoch. Aber das Mittelmeer reichte damals viel weiter nach Norden als heute. Wo jetzt die Weinberge von Rasteau liegen, war ein warmes, flaches Küstenmeer, mal Salzwasser, mal Brackwasser, mal Süßwasserseen. Die Kontinente hatten längst ihre heutigen Positionen. CO₂ in der Atmosphäre war höher als heute, aber nicht dramatisch — die großen Eiszeiten standen noch bevor. Die globale Temperatur lag ein paar Grad über der heutigen.
In diesem Meer und an seinen Ufern lagerten sich Tone und Schlamm ab. Schicht für Schicht, Millionen Jahre lang. Daraus entstand der Mergel, der heute die Hügel von Rasteau bildet — diese weichen, oft farbigen Schichten, die in den Rebzeilen zwischen den Steinen durchscheinen: ockerfarbene Tone, gelbe Mergel (aus Süßwasserseen). Sie speichern Wasser und bieten Reben idealen Lebensraum in dieser oft monatelang trocken / heißten Provence. Dazu Kalium, Magnesium, Eisen, Mangan und Spurenelemente.
Die nördlichen Hügel von Rasteau, die Kämme, die wie Zinken einer Harke aussehen (daher der Name: lat. rastellum = Harke) entstanden aus diesem Meeresgrund. Die Kämme sind Erosionsreste: Regenwasser hat die weichen Mergelschichten zu Rinnen ausgewaschen, die Rücken blieben stehen.
Die Mergelhügel liefern die eleganteren, feineren Weine von Rasteau. Seidige Tannine, mineralische Frische. Der Ton hält Wasser — die Reben haben keinen extremen Trockenstress, die Reife verläuft gleichmäßig. Die Domaine Gramiller baut seine Weine getrennt nach seinem Terroir an. Es war ein Grund für den Winzer Frédéric Julien, die bekannte Genossenschaft in Rasteau zu verlassen, die aus den verschiedenen Parzellen die Weine erzeugt hat, statt lagenweise das herrliche Terroir zu nutzen.
Das Meer zieht sich zurück (vor ca. 5–2 Millionen Jahren)
Die Alpen wuchsen weiter, das Klima wurde kühler. Das Mittelmeer zog sich zurück — dramatisch: vor etwa 5,9 Millionen Jahren fiel der Meeresspiegel im Mittelmeer um über tausend Meter, weil die Verbindung zum Atlantik sich schloss (die Messinische Salinitätskrise — ein Ereignis, das man sich kaum vorstellen kann: das gesamte Mittelmeer trocknete fast aus). Dann öffnete sich die Straße von Gibraltar wieder, das Meer kam zurück, aber es reichte nicht mehr bis Rasteau.
Was zurückblieb: blaue marine Mergel — feiner Tonschlamm vom Meeresboden, jetzt an Land. Besonders in Richtung Roaix, dem Nachbarort. Diese blauen Tone sind Rasteaus geologische Besonderheit. Extrem feinkörnig, speichern Wasser wie nichts anderes.
→ Was das für den Wein bedeutet: Die kräftigsten, dunkelsten Weine von Rasteau. Dunkle Fruchtmarmelade, schwarze Olive, feuchte Erde, Garrigue. Der konstante Wasservorrat in den blauen Tonen gibt den Reben eine Gelassenheit, die sich als Fülle und Geschmeidigkeit in den Weinen ausdrückt.
Die Eiszeiten und die Ouvèze (vor ca. 2,6 Millionen Jahren bis vor 11.000 Jahren)
Jetzt wird es kalt. Die großen Eiszeiten beginnen. In den Alpen, keine 200 km östlich, liegen Gletscher, die Hunderte Meter dick sind. Wenn sie schmelzen, rasen gewaltige Wassermassen durch die Flusstäler. Die Ouvèze — heute ein ruhiger, oft flacher Fluss, in dem man im Sommer den Rosé kühlen kann — war damals ein reißender Strom, der Geröll aus den Alpen ins Rhônetal schob.
Jedes Mal, wenn ein Gletscherzyklus endete und das Schmelzwasser kam, schüttete die Ouvèze eine neue Schicht Kiesel und Geröll auf. Dann senkte sich das Flussbett wieder, und die alte Schicht blieb als Terrasse liegen — höher als der neue Fluss. So entstanden Stufen: die Crapon-Terrasse (höher, gröber, sandiger) und die Bellerive-Terrasse (tiefer, tonhaltiger). Zwei verschiedene Eiszeitzyklen, zwei verschiedene Terrassen, zwei verschiedene Böden.
Die runden Kiesel, die heute zwischen den Rebstöcken liegen — abgeschliffen auf ihrem Weg aus den Alpen, 200 Kilometer Flussbett lang. Sie speichern tagsüber die Mittelmeersonne und geben die Wärme nachts an die Trauben ab.
Das ist Wein aus gutem Grund.
Anmeldung
Information zur Anmeldung
Es stehen zwei gleichwertige Möglichkeiten zur Verfügung.
Ohne Passwort:
Der Login erfolgt über einen einmaligen Link, der an die E-Mail-Adresse gesendet wird.
Es ist kein Passwort erforderlich.
Mit Passwort:
Optional kann ein Passwort vergeben werden. Diese Anmeldung ist sinnvoll, wenn regelmäßig bestellt wird.
In beiden Fällen gelten dieselben Voraussetzungen:
Es wird kein Konto «angelegt», das später verwaltet werden muss.
Keine Newsletter-Pflicht.
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der Karton weicht auf. Alles keine Freude.
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