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WEINRAUM Wein aus gutem Grund
Das Weinjournal

Der Weinbau im Burgund vor den Mönchen

Aus Leibeigenen werden Bauern

Statue aus Stein mit einem Mönch in einem Kloster im Burgund, der eine Kiepe mit vermutlich Traiben trägt.
Der Wein aus dem Burgund wird meist mit den Mönchen in einem Atmenzug genannt. Aber es wurde schon vor den adligen Mönchen Wein angebaut.
Der Weinbau im Burgund ist schon sehr alt. Erwähnt wird meist die Geschichte, die mit der Blütezeit der Mönche begann: die genaue Arbeit und das Notieren der Terroirs und der Climats, der Lagen in den Weinbergen.

Vor ihnen lagen über tausend Jahre Weinbau:

  • Kelten (ab ca. 600 v. Chr.): Der berühmte Vix-Krater — eine griechische Bronzevase mit über 1.000 Litern Fassungsvermögen, gefunden in der Nähe von Châtillon-sur-Seine — zeigt, dass im 6. Jahrhundert v. Chr. in Burgund bereits massiv Wein konsumiert wurde. Ob die Kelten (der Stamm der Äduer) selbst anbauten oder nur importierten, ist umstritten. Der Historiker Gaston Roupnel (selbst Winzer in Gevrey-Chambertin) bejaht den eigenen Anbau.

  • Römer (ab 52 v. Chr.): Nach der Eroberung Galliens gründeten die Römer Augustodunum (Autun) im Burgund — ihre ersten gallischen Verbündeten waren die Äduer. Archäologisch gesichert ist: 2008 grub das INRAP bei Gevrey-Chambertin 316 rechteckige Pflanzgruben in 26 Reihen aus — die ersten nachgewiesenen gallo-römischen Weinberge im Burgund, datiert auf das 1. Jahrhundert n. Chr. Die Gruben folgen exakt den Anweisungen von Plinius dem Älteren und Columella (zwei Rebstöcke pro Grube, Stein in der Mitte). Der erste schriftliche Beleg für die Qualität stammt von Kaiser Konstantins Besuch 312 n. Chr. in Autun.

  • Gregor von Tours (591): Erste überlieferte Lobrede auf burgundischen Wein — er vergleicht ihn mit dem römischen Falerner.

  • König Guntram (587): Die erste belegte Schenkung eines Weinbergs an die Kirche — er vermachte seine Weinberge an Mönche in Dijon.

  • Barbarenkönige (5.-9. Jh.): Nach dem Zusammenbruch Roms übernahmen romanisierte "Barbaren" die Weinberge und hielten die Tradition aufrecht.

Im Burgund gab es ab es seit etwa 630 die Abtei Bèze mit Weinbergen bei Gevrey und Vosne, Saint-Germain d'Auxerre existierte seit dem 5. Jahrhundert, Flavigny seit dem 8. Jahrhundert. Es waren florierende Weinberge, die den Klöstern eine gesunde wirtschaftliche Basis boten. Die wesentliche Neugründung war 910, als die Benediktiner das Kloster in Cluny gründeten, und 1098 die Gründung des Zisterzienserordens in Cîteaux, benannt nach dem schilfigen Sumpf, in dem es von seinem Gründer Robert von Molesme gegründet wurde. cistels altfranzösisch für Schilf.

Viele Weinberge wurden von den Klöstern neu angelegt, viele aber auch «gespendet». Als Ablass, wenn der Besitzer in den Kreuzzug zog, oder als Mitgift, wenn ein nicht erbfähiger Nachkomme im Kloster aufgenommen wurde. Wohl begannen viele Klöster mit der harten Arbeit, aber das sollte den noblen Novizen eigentlich nicht zugemutet werden. Das Ziel war, die Klöster so schnell wie möglich wirtschaftlich zu nutzen und Wohlstand zu schaffen. Theologisch und wissenschaftlich ist das natürlich unkorrekt, weil auch enorme geistige und geistliche Werte geschaffen wurden.

Der ebenfalls erzeugte Reichtum der Klöster beruhte auch auf diesen immateriellen Werten - die Bauern hatten sich nirgends die Mühe gemacht, ihre Lagen zu untersuchen. Aber die Arbeit wurde von Bauern erledigt, die von dem Reichtum nur wenig profitierten. Sie besaßen kein eigenes Land, das war dem Adel und der Kirche vorbehalten.

Er war Leibeigener (serf) oder bestenfalls freier Pächter (tenant) auf dem Grund eines Adligen, eines Königs oder der Kirche. Wenn König Guntram 587 seine Weinberge an Mönche in Dijon verschenkte, wechselten die Bauern auf diesem Land einfach den Herrn. Vorher arbeiteten sie für den König, danach für den Abt. Ihre Ernte, ihre Pflichten, ihr Status blieben vergleichbar — manchmal sogar besser unter Klöstern als unter weltlichen Herren, weil Klöster stabiler waren und nicht in Kriege zogen.

Der Mechanismus war überall derselbe: Adlige schenkten Land an Klöster — teils aus Frömmigkeit, teils um sich Plätze im Jenseits zu sichern. Die Herzogin von Burgund schenkte 1232 dem Kloster Saint-Vivant die Flächen, die heute Romanée-Conti, La Tâche und Richebourg heißen. Die Bauern auf diesen Flächen wurden nicht vertrieben. Sie bekamen neue Aufseher.

Der entscheidende Vorteil der Klöster gegenüber jedem bäuerlichen Betrieb war strukturell: Die Mönche konnten lesen und schreiben. Sie hatten Kontinuität über Generationen — kein Erbteilungsproblem, keine Kriegsdienste, keine Hungersnöte, die Wissen auslöschen. Sie waren steuerbefreit, erhielten Schenkungen und konnten Kapital akkumulieren. Besonders aber stammten viele Mönche aus dem Adel, kannten seine Regeln und hatten Kontakte. Gegen diese Vorteile hatte kein freier Bauer, selbst wenn es ihn gab, eine Chance. Denn die besten Weine wurden Papst und König gegeben, die unteren Ränge wollten dem nachahmen und waren bereit weit mehr dafür zu zahlen, als der Arbeit es entsprochen hätte. Von diesem Mehrwert bekamen die Bauern natürlich keinen Anteil. Im Tausch hingegen die Sicherheit und daher funktionierte das System so hervorragend.

Das philippische Gamay-Edikt von 1395 zeigt am klarsten, wie es den Bauern erging, die tatsächlich etwas Eigenes bewirtschafteten: Philipp der Kühne befahl, alle Gamay-Reben im Burgund innerhalb eines Monats herauszureißen — Ende Juli, als die Trauben gerade reiften. Gamay war die Sorte der armen Bauern: ertragreich, pflegeleicht, drei Mal so viel Wein wie Pinot Noir. Wer dem Edikt gehorchte, verlor die Ernte von 1395 und hatte für zwei bis drei Jahre kein Einkommen — bis der neu gepflanzte Pinot Noir trug. Das ist der Grund, warum Gamay heute im Beaujolais angebaut wird und im Burgund nur im einfachen passetoutgrain.

Die Bürger von Dijon protestierten so heftig, dass Philipp ihren Bürgermeister absetzte und seinen eigenen Mann einsetzte. Dass sein Enkel Philipp der Gute das Edikt 1441 — 46 Jahre später — wiederholen musste, zeigt, wie viele es schlicht ignorierten.
Der «unabhängige Winzer» im heutigen Sinne entstand in Burgund erst nach der Revolution 1789, als die Kirchengüter konfisziert und versteigert wurden.

Und dann erst recht durch den Code Napoléon, der gleiche Erbteilung unter allen Kindern vorschrieb — weshalb heute manche Winzer im Burgund nur drei Rebzeilen besitzen.