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Voraussetzung für biologischen Weinbau: Vielfalt
Voraussetzung für biologischen Weinbau: Vielfalt

Biologischer Weinbau begann vor vielen Jahrzehnten als eher politische Bewegung. Mit dem Wein als Produkt hatten die ersten Ansätze wenig zu tun. «Bio» musste auf der Flasche stehen, die Weine waren oft wenig freudvoll. Das hat sich heute gewandelt, bio ist Mode und mit Mode lässt sich Geld verdienen. Es sind damit neben ambitionierten Biowinzern auch (sehr viele) Schlauberger darunter, die sich «bio» zertifizieren lassen, um höhere Preise erzielen zu können und gleichzeitig versuchen, die Kosten zu senken.

Es gibt also nicht «den» Biowein, es gibt Facetten von Weinbau, bei dem nicht mehr alles erlaubt ist.

 
Ob ein Weingut biologisch betrieben wird, ist meist leicht zu sehen
Ob ein Weingut biologisch betrieben wird, ist meist leicht zu sehen

Um ein Erzeugnis als «bio» bezeichnen zu dürfen, muss es zertifiziert sein. Diese Zertifizierungen sind ein Milliardengeschäft und für die Erzeuger ein hoher Kostenfaktor. Für Händler übrigens auch: jeder online Händler, der «bio» Produkte verkauft, ist verpflichtet, sich «bio» zertifizieren zu lassen.

Auf der Seite der Konsumenten genießen Produkte mit einer «bio» Auszeichnung ein sehr hohes Ansehen. Sowohl Konsumenten wie Erzeuger reduzieren das Thema daher gerne auf: «ist bio», gerne noch ergänzt durch «Qualität».

Die Vorgaben für die bio Zertifizierung sind im Wesentlichen sinnvolle Verbote, um schädlichen Auswirkungen der Erzeugung aus dem Weinberg ein Ende zu bereiten. Im Weinberg sind künstliche Düngung und Bekämpfung von «Unkraut» mit chemischen Mitteln untersagt, wenn man zertifiziert werden möchte.

 
Im Frühling ist der biologische Weinberg grüner, im Herbst (oberes Bild) brauner als ein konventioneller Weinberg
Im Frühling ist der biologische Weinberg grüner, im Herbst (oberes Bild) brauner als ein konventioneller Weinberg

Das obere Bild ist im frühen Herbst auf der Domaine Modat im Roussillon im Süden von Frankreich aufgenommen. Die hinteren Felder sind der typische Unterschied zwischen einem konventionellen Weinberg (links) und einem biologischen der Domaine Modat. Im Herbst haben die Blätter wegen der fehlenden künstlichen Düngung ein weniger intensives Grün, dafür ist der Boden mit Pflanzen bedeckt, die den Reben Nährstoffe zuführen - aber weniger als es künstlicher Dünger vermag.

Das untere Bild ist im Frühling auf der Domaine Montluzia im Corbières aufgenommen. Hier ist die Färbung andersherum: das Gras auf dem biologisch betriebenen Weinberg von Montluzia ist satt grün, während der mit Unkrautvernichtungsmitteln behandelte Nachbarweinberg kahl ist.

Es ist kein Geheimnis: die beiden Winzer mögen sich nicht besonders.

 
Die Details des biologischen Weinbaus bleiben etwas für Winzer
Die Details des biologischen Weinbaus bleiben etwas für Winzer

Bisher wurden hohe Kosten, ein neues Geschäftsmodell «Zertifizierer» und diverse Verbote thematisiert. Das war die schwierige Seite der biologischen Weine: Kunden haben von einem «bio» Aufkleber auf der Flasche an sich nichts. Nur einen etwas anders aussehenden Weinberg alleine schmeckt man nicht.

Es sind die Details, die Wein interessant machen. Auch biologischen Wein

Eine völlig andere Richtung haben viele moderne Winzer eingeschlagen. Sie haben mit den alten Methoden der Wein Erzeugung nichts mehr am Hut. Zum einen lehnen sie die alten «Gift und Dünger drauf» Methoden völlig ab, weil sie a) die Umwelt zerstören und b) eine vollkommen niveaulose Art ist, den Beruf Winzer auszuüben.

 
Reben an der [[reg || Rhône]] in der [[lex || Provence]]
Reben an der Rhône in der Provence

Dieser neue Anspruch entspringt natürlich einem modernen Weltbild, das sich deutlich in Richtung Erhalt von Natur und Lebensbedingungen gewandelt hat.

Zudem - da muss auch kein Hehl draus gemacht werden - der Weinmarkt ist sehr hart geworden. Der Geschmack der Kunden ist vielleicht nicht besser geschult geworden, es sind durch die Möglichkeiten, biologischen Wein auch online zu kaufen, jedoch weitaus vielfältigere Vergleiche als früher möglich. Der Geschmack der Weintrinker ist deutlich erfahrener geworden. Aus Erfahrung kann ich als online Händler von biologischem Wein sagen, dass Weintrinkerinnen einen großen Anteil meiner Kontakte ausmachen und oft sehr genau wissen, was sie wünschen und aus welchen Regionen.

 
Die Biologie seiner Reben im Detail verstanden: Christophe Bousquet vom [[win || Château Pech Redon]] in [[reg || La Clape]] im [[reg || Languedoc]]
Die Biologie seiner Reben im Detail verstanden: Christophe Bousquet vom Château Pech Redon in La Clape im Languedoc

Die Details, um die sich Winzer heute bemühen, haben mit dem Weinbau der letzten Generation nur noch wenig zu tun. Die Gesundheit der Reben im Weinberg hat eine Bedeutung für den späteren Prozess der Gärung . Der Zustand der Trauben ist für den weiteren Verlauf der Weinerzeugung von großer Bedeutung. Dazu ist die Gesundheit der Rebe, ihre Ernährung, die Bereitung des Bodens - oder auch, je nach Terroir : die nicht Bearbeitung des Bodens von elementarer Bedeutung.

Biologisch braucht keine Vorschriften

 
Weinberg im [[reg || Minervois]]
Weinberg im Minervois

Vor einigen Jahren war der Antrieb, seinen Betrieb biologisch zertifizieren zu lassen, oft der Wunsch, entweder mit dem künstlichen Weinbau aufzuhören oder auch diesen schicken Aufkleber zu haben.

Mittlerweile sind die Methoden des modernen Weinbaus bei ambitionierten, handwerklichen Winzern weit über das Maß von Verboten übler künstlicher Mittel hinaus gehend.

 
Auch im Weinkeller sind die Verfahren erheblich feiner als vor einigen Jahren. Das Ziel sind ausdrucksvolle und harmonische Weine. [[win || montluzia || Domaine Monluzia]] im [[reg || Corbières]]
Auch im Weinkeller sind die Verfahren erheblich feiner als vor einigen Jahren. Das Ziel sind ausdrucksvolle und harmonische Weine. Domaine Monluzia im Corbières

Der Auslöser für diesen Trend sind sicher die Arbeiten und Anforderungen im Weinberg, etwa wegen der Trockenheit in südlichen Regionen, die Winzer zum Handeln zwingt.

Es sind jedoch auch die modernen Methoden der Weinbereitung, zu der besonders die immer üblicher werdende Spantangärung zählt, die bei handwerklichen Winzern so etwas wie eine Grundvoraussetzung geworden ist.

Spontangärung verzeiht keine nicht biologischen Methoden im Weinberg. Das Ergebnis sind ausdrucksstarke Weine, die keineswegs dicht und schwer sein müssen. Solche biologischen Weine bringen das volle Aroma der Rebsorten im Wein zur Geltung. Ob die Weine nun biologisch zertifiziert sind oder nicht, ist für diese Art der Erzeugung völlig belanglos.

 
Biologischer Wein macht Freude - Besuch beim Winzer in Frankreich
Biologischer Wein macht Freude - Besuch beim Winzer in Frankreich

Klingt der Begriff biologischer Wein eher nach gesund, als gut, sind die neuen Erzeuger der biologischen handwerklichen Weine sehr gut gelaunt in ihren Weingütern unterwegs. Sie machen es so, weil es eine sinnvolle Art des Arbeitens ist. Die Arbeit und die damit erzeugten Weine sind deutlich anspruchsvoller, die Kunden, die diese Weine kaufen, auch.

Die meisten Weine, die man im weinraum kaufen kann, sind daher mittlerweile biologisch zertifiziert, aber es steht nur im Kleingedruckten, weil es da stehen muss. Wegen der bio Zertifizierung.