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Terroir

Steiler Weinberg in Südtirol, der Sonne zugewandt
Steiler Weinberg in Südtirol, der Sonne zugewandt

Der Begriff Terroir ist nicht zufällig französisch, er stammt aus Frankreich. Er bezeichnet die Summe aller Einflüsse auf die Reben und meint den Boden der Weinberge, seine Lage, das Klima der Region und besonders auch das Mikroklima im Weinberg.

Im Bild oben sind hohe Weinberge in Südtirol, nach Süden abfallen und somit sehr sonnig. Unten im Tal gibt es flache Lagen und auf der gegenüberliegenden Talseite liegt das Gebiet von Magdalena - in allen drei Lagen werden einige der besten Weine Italiens gewonnen, jeder jedoch mit einer völlig anderen Charakteristik.

 
Steiler Weinberg im Languedoc, der Sonne abgewandt
Steiler Weinberg im Languedoc, der Sonne abgewandt

Hier ist im sehr heißen Languedoc ein Weinberg in nördlicher Ausrichtung. Die einfallende Sonne reicht immer noch aus, um die Trauben ausreifen zu lassen. Die nördliche Lage konserviert die Säure in den Trauben - es wird auf diesem unscheinbaren Hang einer der besten Weine des Languedoc erzeugt.

So hat jeder Weinberg sehr spezifische Eigenschaften, für die meist nur wenige Reborten geeignet sind und bereits das Terroir bestimmt den Weintyp, der von diesem kleinen Stück Land gewonnen werden kann.

 
Bodenprofil der Weinberge von Gigondas
Bodenprofil der Weinberge von Gigondas

Nicht für jede Region existieren so detaillierte Profile wie von Gigondas - aber fast alle Regionen haben solch aufgeworfene Strukturen - flache Sedimentböden ausgenommen.

Auch ohne Detailwissen von Weinbau ist klar, dass die verschiedenen Böden, die Neigungen und die Höhe für die Reben sehr unterschiedliche Bedingungen bedeuten. Auch wenn es für einen Touristen in der Provence keinen großen Unterschied macht, ob er im Tal oder auf dem Berg seine Photos macht: es ist ein Unterschied. Jeder kennt die verschneiten Hügel, die ab einer gewissen Höhe ohne Schnee sind, weil die wenigen Meter ausreichen, um die Temperatur ein klein wenig ansteigen zu lassen.

Für die Blüten der Reben kann ein solch kleiner Unterschied bedeuten, dass höher gelegene Weinberge Frostschäden haben und die im Tal nicht.

 
Der Begriff des Terroir ist nicht unumstritten
Der Begriff des Terroir ist nicht unumstritten

Regionen wie das oben im Bild leben den Begriff des Terroir seit Jahrhunderten - sie kennen die Details ihrer Böden, die handwerklich arbeitenden Winzer erzeugen ihre Weine auf kleinen Weinbergen, in denen das Terroir erlebbar wird.

Besonders angelsächsische Weinpäpste verteufeln den Begriff Terroir und die Winzer, die ihn verfolgen mit allem, was die Rhetorik hergibt. Sie bekommen das Geld von Winzern, die kein Terroir haben, weil sie Trauben zukaufen wie ein Autohersteller seine Schrauben.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich von dem Konzept nichts halte, aber es ist eines und sehr erfolgreich. Diese Winzer gewinnen keine Terroir Weine, sondern wollen den Geschmack der Traube im Wein haben. Die Herkunft der Trauben ist für diesen Ansatz nebensächlich, reif und gesund sollen sie sein, der Rest wird im Weinkeller gemacht. Die Kunst liegt hier darin, dem Most gewünschte Aromen zu entlocken, die der Traube zugeschrieben werden, nicht dem Terroir.

Was nicht passt, wird passend gemacht und so schmeckt es nach meinem Geschmack und der ist verschieden.

 
Barrique im Languedoc mit der Lagenbezeichnung
Barrique im Languedoc mit der Lagenbezeichnung

Das Konzept des Terroir läuft darauf hinaus, das der Winzer am besten nichts mit den Weinen macht - sie sollen natürlich entstehen.

Diese Weine sind immer von einer Feinheit geprägt, auch wenn es schwere Weine aus dem Süden sind. Sie haben ein Gleichgewicht der Aromen und die sind bei natürlichen Trauben verhalten.

Die Kunst des Winzers ist hier sehr viel mehr auf den Weinberg verlegt. Terroirweine entstehen im Weinberg, nicht im Weinkeller.