zahlung: paypal, kreditkarten und überweisung, versand mit dhl
WEINRAUM Wein aus gutem Grund
Das Weinjournal

Aquitanisches Becken

Das Leben am Beckenrand geniessen

Kontinente

Sie wandern. Bilden Gebirge, wenn sie aufeinander treffen und die wieder verschwinden, wenn sie Kontinente weiter wandern.

Meere

Bilden Kalk auf ihrem Grund. In Eiszeiten liegen sie gefroren in den Bergen und tragen, wenn es warm wird, die Kiesel auf den Kalk

Ränder

Wein wird oft dort gut, wo Sedimente wie Sand oder Kies auf älteres Gestein treffen.

Kontinente, Gebirge und viel Wasser. Wie Kalk und Kies in die Weinberge des Südwestens und das Bordelais kamen. Das Burgund durcheinander und die Champagne ganz schön tief gesunken sind.

Die Weinberge des Bordelais, Cahors oder Madiran liegen am Rande des Aquitanischen Beckens
Viele der berühmten Weinberge Frankreichs liegen auf Kalk und Kiesel. Was da im Detail wann und warum abgelagert wurde und wann was darüber kam: wenig interessant. Schon interessant ist, so ungefähr einen Überblick zu haben, was die Weine aus Bordeaux mit denen aus dem Cahors, dem Burgund und denen aus dem Languedoc zu tun haben.
Nicht, dass man in den Ferien vor einem Weinregal zielsicher einen Wein herausgreift. Für die jedoch, die in etwa wissen wollen, warum welcher Wein wie schmeckt und kostet: Gold wert!

Die Antarktis und Afrika haben unseren Wein möglich gemacht.


Die Landmassen der Erde waren vor 300 Millionen Jahren in zwei großen Kontinenten vereint. Gondwana, der das spätere Afrika, Südamerika, Indien, Australien und die Antarktis enthielt. Und Laurussia mit dem späteren Nordamerika und Europa als zweite Platte. Diese Platten bewegten sich - und sie tun es heute noch. Gondwana drückte mit all seiner Masse gegen den kleineren Kontinent Laurussia und schob es zusammen: das variszische Gebirge entsteht.

Und es war GROSS: 8000 Meter hoch, 8000 Kilometer lang und mehrere hundert Kilometer breit. Wenn solch ein Gebirge entsteht, wird es warm in der Erdkruste. Reibungswärme aus der Verformung, aufsteigendes Material aus der Tiefe und radioaktiver Zerfall in den Gesteinen. Es war heiß unter diesem gewaltigen Gebirge.

Aus, Ende: es wird kalt und die Champagne entsteht


Die Grundlage für die Champagne ist die Kruste unter der variszischen Kette. In der Gegend des heutigen Paris kühlte diese Kruste ab und sank unter ihrem eigenen Gewicht ein. Das Pariser Becken bildete sich, wurde mehrfach vom Meer überflutet, das die Kreide der Champagne bildete.

Andere Bereiche waren fester gebaut und blieben als Rest erhalten, wie der Schwarzwald oder die Appalachen, heute in Nordamerika. Die großen Kontinente teilten sich, bewegten sich in andere Richtungen, es war 200 Millionen Jahre Ruhe, das große variszische Gebirge wurde durch Erosion weitgehend abgetragen.

Die Urkontinente Gondwana und Laurussia zerfielen in die heutigen kleineren Kontinente Europa, Asien, Afrika und Amerika, die sich drehend meist voneinander entfernten. Bis auf Afrika, das auf den Europäischen Kontinent wanderte. Die Alpen und die Pyrenäen entstanden und ähnlich wie die Bildung des variszischen Gebirges waren die Wellen in der Erdkruste in weiten Teilen Europas von Bedeutung.
Bis zu elf Kilometer tief wurde die Erdkruste vor den Pyrenäen in den Boden gedrückt.

Afrika drückt die Alpen und Pyrenäen empor


Die Druckwellen aus dem Süden hob und verschob auch viel weiter im Norden den Boden. Kilometerweit wanderten Böden, wurden verworfen und geknetet wie ein Kuchenteig. Die Ränder des Pariser Beckens wurden aufgeworfen und die heute für den Weinbau wichtigen alten Kalkschichten lagen nun an der Oberfläche. Im Burgund stark genug, um Jura-Kalk an die Oberfläche zu brechen. In der Champagne schwächer — dort wurde die Kreide durch Erosion freigelegt. Das Languedoc wurde besonders stark verformt. Aber das ist eine eigene Geschichte.

Das aquitanische Becken


Die Pyrenäen wurden schlicht nach Norden geschoben und der vorgelagerte Boden viele Kilometer nach unten gedrückt. Das aquitanische Becken entstand und wurde, wie das Pariser Becken, immer wieder vom Meer geflutet, das neue Bodenschichten ablagerte. Diese Abfolge von Überflutung und Rückzug — nicht eine einzelne Absenkung, sondern ein Rhythmus über 40 Millionen Jahre — erzeugte die Bodenvielfalt, auf der heute der Weinbau des Südwestens steht.

Böden und Klima


Infolge der Sedimentierung und tektonischen Einflüsse finden sich heute im Aquitanischen Becken sehr unterschiedliche Bodenarten: kalkreiche Mergel und Tonschichten, eisenhaltige Sande, feine Tonminerale, Kiesel und Tonkiesel, sowie Ablagerungen marinen Ursprungs mit Fossilresten. Diese Böden beeinflussen die Drainage, das Wasserspeichervermögen und die Mineralstoffverfügbarkeit für die Reben.

Die Eiszeiten und die Flüsse


Vor 2,6 Millionen Jahren begannen die Vereisungszyklen. In den Pyrenäen und im Zentralmassiv wuchsen Gletscher, die beim Schmelzen riesige Mengen Gestein in die Flüsse spülten. Die Garonne brachte Pyrenäen-Geröll, die Dordogne Material aus dem Zentralmassiv — verschiedene Gesteine aus verschiedenen Gebirgen, die sich im Bordelais und an den Flussmündungen mischten.

Vor etwa 2 Millionen Jahren kippten tektonische Bewegungen entlang der Achse Villagrains-Landiras den Süden des Beckens hoch und den Norden runter. Die Ur-Garonne, die bis dahin zum Becken von Arcachon geflossen war, drehte nach Norden ab und ergoss sich über das heutige Bordelais. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Graves, das Médoc und die gesamte linke Flussseite mit Kies überschüttet.

Mindestens fünf Vereisungsphasen formten die Landschaft weiter. In jeder Kaltzeit sank der Meeresspiegel — vor 18.000 Jahren lag die Küste 130 Meter tiefer und 120 Kilometer weiter draußen als heute — und die Flüsse gruben sich tief ein. In jeder Warmzeit stieg das Wasser, die Flüsse füllten ihre Täler mit Kies. Dieser Rhythmus erzeugte die sechs Kiesterrassen des linken Ufers im Bordelais, gestaffelt von alt und fern vom Fluss bis jung und nah am Wasser.

In Cahors schnitt der Lot sich in die Kalkplateaus der Causses ein und hinterließ drei Flussterrassen aus Kies, Lehm und eisenhaltigem Ton. 60% der Weinberge von Cahors stehen auf diesen Terrassen, 40% auf den Hängen und Plateaus des Jura-Kalks darüber. Der Malbec wurzelt in den schweren, kühlen Talböden und bringt dunkle, tanninreiche Weine hervor. Die Hochflächen der Causses, karg und kalt, gehören den Schafen.

Madiran: Kies direkt vom Berg


Madiran liegt nicht am Rand des Beckens, sondern direkt am Fuß der Pyrenäen. Der Kies dort hat keine hunderte Kilometer Flussreise hinter sich wie im Médoc — er ist als grober Schuttfächer direkt vom Gebirge ins Becken gekippt. Kaum transportiert, kaum sortiert, durchlässig und nährstoffarm. Der Tannat, eine Rebsorte, die auf fettem Boden dünnen Wein ergibt, braucht genau das. Zwanzig Kilometer weiter nördlich, auf der Molasse der Beckenmitte, wäre derselbe Tannat nicht der Rede wert.

Der Sand der Landes


In der letzten Kaltzeit, dem Würm, wehten Westwinde Sand vom trockengefallenen Atlantikschelf landeinwärts. Dieser Sand deckte alles westlich der Graves zu. Bei Saint-Laurent-Médoc trifft Sand auf Kies. Winzer mit einem höheren Anteil Sand wie Balac haben daher mehr Merlot in ihren Cuvées, während jene, die näher am Fluß liegen wie Micalet Weine mit einem höheren Anteil der beiden Cabernet erzeugen.