Die Eiszeiten und die Flüsse
Vor 2,6 Millionen Jahren begannen die Vereisungszyklen. In den Pyrenäen und im Zentralmassiv wuchsen Gletscher, die beim Schmelzen riesige Mengen Gestein in die Flüsse spülten. Die Garonne brachte Pyrenäen-Geröll, die Dordogne Material aus dem Zentralmassiv — verschiedene Gesteine aus verschiedenen Gebirgen, die sich im Bordelais und an den Flussmündungen mischten.
Vor etwa 2 Millionen Jahren kippten tektonische Bewegungen entlang der Achse Villagrains-Landiras den Süden des Beckens hoch und den Norden runter. Die Ur-Garonne, die bis dahin zum Becken von Arcachon geflossen war, drehte nach Norden ab und ergoss sich über das heutige Bordelais. Ab diesem Zeitpunkt wurden die
Graves, das
Médoc und die gesamte linke Flussseite mit Kies überschüttet.
Mindestens fünf Vereisungsphasen formten die Landschaft weiter. In jeder Kaltzeit sank der Meeresspiegel — vor 18.000 Jahren lag die Küste 130 Meter tiefer und 120 Kilometer weiter draußen als heute — und die Flüsse gruben sich tief ein. In jeder Warmzeit stieg das Wasser, die Flüsse füllten ihre Täler mit Kies. Dieser Rhythmus erzeugte die sechs Kiesterrassen des
linken Ufers im Bordelais, gestaffelt von alt und fern vom Fluss bis jung und nah am Wasser.
In
Cahors schnitt der Lot sich in die Kalkplateaus der
Causses ein und hinterließ drei Flussterrassen aus Kies, Lehm und eisenhaltigem Ton. 60% der Weinberge von Cahors stehen auf diesen Terrassen, 40% auf den Hängen und Plateaus des Jura-Kalks darüber. Der
Malbec wurzelt in den schweren, kühlen Talböden und bringt dunkle, tanninreiche Weine hervor. Die Hochflächen der Causses, karg und kalt, gehören den Schafen.
Madiran: Kies direkt vom Berg
Madiran liegt nicht am Rand des Beckens, sondern direkt am Fuß der Pyrenäen. Der Kies dort hat keine hunderte Kilometer Flussreise hinter sich wie im Médoc — er ist als grober Schuttfächer direkt vom Gebirge ins Becken gekippt. Kaum transportiert, kaum sortiert, durchlässig und nährstoffarm. Der Tannat, eine Rebsorte, die auf fettem Boden dünnen Wein ergibt, braucht genau das. Zwanzig Kilometer weiter nördlich, auf der Molasse der Beckenmitte, wäre derselbe Tannat nicht der Rede wert.
Der Sand der Landes
In der letzten Kaltzeit, dem Würm, wehten Westwinde Sand vom trockengefallenen Atlantikschelf landeinwärts. Dieser Sand deckte alles westlich der Graves zu. Bei Saint-Laurent-Médoc trifft Sand auf Kies. Winzer mit einem höheren Anteil Sand wie
Balac haben daher mehr Merlot in ihren Cuvées, während jene, die näher am Fluß liegen wie
Micalet Weine mit einem höheren Anteil der beiden Cabernet erzeugen.