Das Zentralmassiv wird angehoben
Die Verschiebungen, die zur Bildung der Alpen führten, sind auch hunderte Kilometer entfernt folgenreich. Das Zentralmassiv wird angehoben und liefert über die Dordogne weitere Kiesel ins Bordelais. Sie liegen dort mit jenen, die mit der Garonne aus den Pyrenäen herangetragen wurden.
Der Kursswechsel der Garonne
Vor ca. 2 Mio Jahren kippen tektonische Bewegungen entlang der Achse Villagrains-Landiras den Süden hoch und den Norden runter. Die Ur-Garonne, die zuvor zum Becken von Arcachon floss, dreht nach Norden ab und ergießt sich über das heutige Bordelais. Ab jetzt werden die Graves, das Médoc und die linke Flussseite mit Kies überschüttet.
Die Eiszeiten und ihr Wasser
Mindestens fünf Vereisungsphasen, die vor 2.6 Millionen Jahren begannen formten die Landschaft weiter. In jeder Kaltzeit sinkt der Meeresspiegel (vor 18.000 Jahren lag die Küste 130 Meter tiefer und 120 km weiter draußen als heute), die Flüsse graben sich ein. In jeder Warmzeit steigt der Meeresspiegel, die Flüsse füllen ihre Täler mit Kies. Dieser Rhythmus — einschneiden, auffüllen, einschneiden — erzeugt die sechs Kiesterrassen des linken Ufers, gestaffelt von innen (alt, hoch, fern vom Fluss) nach außen (jung, tief, nah am Fluss). Bei Margaux sind alle sechs Stufen erhalten. Bei Pauillac und Saint-Estèphe nur noch Stufe 3 und 4, der Fluss hat die anderen weggefressen.
Warum es so teure Château im Médoc gibt
Diese über Millionen Jahre dauernde Auffüllen mit Kies passierte immer wieder mit unterschiedlichen Flussläufen, die mal mehr, mal weniger Wasser und damit Kies führten. Es ist leicht zu verstehen, dass an manchen Stellen sich der Kies höher türmte als an anderen Stellen. Als die Hölländer das Médoc trocken legten, sah man den Kiesbänken nicht an, wie mächtig sie waren oder ob die darunterliegenden Tonlinsen für eine gute Drainage sorgen oder nicht. Was hingegen schnell bewerkt wurde: Weine von einigen wenigen Weinbergen im Médoc waren über die Jahre immer zu weitaus höheren Preisn zu verkaufen, als andere Weine.
Viele Jahre und Untersuchungsmethoden später wusste man, dass die Höhe und der Aufbau dieser Kiesbänke die Qualität der Weine im Médoc direkt beeinflußt.
Der Sand des Landes
In der letzten Kaltzeit (Würm) blasen Westwinde Sand vom trockengefallenen Schelf landeinwärts. Dieser Sand deckt alles westlich der Graves zu. Bei Saint-Laurent-Médoc wo das
Château Balac liegt, trifft Sand auf Kies. Balac hat 30% Graves, 40% Ton-Kalk, 30% Sand-Lehm. Also gemischter Boden am Übergang zum Wald. Die
Weine von Balac haben einen recht ungewöhnliche hohen Anteil an Merlot, was auf diesen eher sandigen Boden zurückzuführen ist.
Etwas näher an der Gironde liegt das
Château Micalet. Micalet steht auf den Graves-Croupes und erzeugt
Micalet Weine mit bis zu 70% Cabernet Sauvignon, was auf tiefem, durchlässigem Kies am besten funktioniert.