zahlung: paypal, kreditkarten und überweisung, versand mit dhl
WEINRAUM Wein aus gutem Grund
Das Weinjournal

Bordeaux | rechtes und linkes Ufer

Die Entstehung der Weinberge

Kies

Die Graves-Terrassen des linken Ufers bestehen aus Geröll, das Garonne und Dordogne während der Eiszeiten aus den Pyrenäen und dem Zentralmassiv herangetragen haben.

Kalk

Das rechte Ufer steht auf viel älterem Kalk. Saint-Émilion, Blaye und Entre-deux-Mers stehen auf diesem Boden.

Sand

In der letzten Eiszeit wehte der Westwind Sand vom trockengefallenen Atlantikschelf ins Landesinnere.

Warum die teuersten Weinberge von Bordeaux auf Kieshügeln stehen und das rechte Ufer auf Kalkstein — eine Zeitreise über 300 Millionen Jahre. Kies, Kalk und Cabernet: rechtes und linkes Ufer in Bordeaux

Die Kiesbänke des Médoc wurden von einem mäandernden Fluss über tausende Jahre angeschwemmt und sind daher sehr unregelmässig. Je mächtiger der Kies, um so imposanter das Château darauf. Auf dem Sand stehen die bürgerlichen Häuser der Winzer.
Die Weine aus Bordeaux dürften zu den am meisten missverstandenen gehören. Aber auch zu jenen, deren Besitz oder Genuss mit dem größten Verve vorgetragen wird. Etwa ein Kunde in meinem alten Weinladen gegenüber der Schule mit dem schönen Tresen, der die Ecken des kleinen Raumes aufnahm und man herrlich probieren und zu Proben essen konnte. Er schwärmte von Cheval Blanc (> 1000 Euro die Flasche) und seinem unvergleichlichen Cabernet Sauvignon Aroma. Was soll man dem armen Mann sagen? Cheval Blanc ist St. Émillion, der «Capitale du Merlot» und der Wein eine Cuvée aus Merlot und Cabernet Franc. In solchen Fällen: lächeln. Wie die Queen.

Dabei sind die Gründe, warum einige wenige Châteaux vierstellige Preise für eine Flasche verlangen und trotzdem Wartelisten haben und ein paar Meter weiter ein Winzer Wein für 25€ anbietet, durchaus nachvollziehbar. Sie sind nur etwas älter und wir gehen jetzt auf Zeitreise.
Vor 400–300 Mio Jahren kollidieren die Landmassen, die später Europa und Afrika werden. Dabei faltet sich ein Gebirge auf, das vom heutigen Irland über die Bretagne, das Zentralmassiv, die Vogesen bis nach Böhmen reicht — die Variszische Kette, so hoch wie heute die Alpen. Südwestfrankreich ist Teil dieses Gebirges.

200 Millionen Jahre Ruhe im Bordelais


Wind, Wasser, Frost tragen das Gebirge ab, bis nur noch der Rumpf übrig blieb. Granit, Gneis, Glimmerschiefer. Das Zentralmassiv ist ein solcher Stumpf. Unter dem Bordelais liegt derselbe Rumpf, aber begraben unter Kilometern jüngerer Ablagerungen.

Warum das für den Wein wichtig ist: Dieser Rumpf bestimmt die Statik des ganzen Beckens. Als später die Pyrenäen aufgefaltet werden, biegt sich die alte variszische Kruste davor nach unten. Es wurde das Aquitanische Becken, grob der Südwesten Frankreichs. Das Becken wurde immer wieder vom Meer überspült, neuer Boden bildete sich.

Im Mesozoikum und Tertiär liegt die Region unter einem flachen Meer. Kalkstein, Mergel, Ton lagern sich ab. Der Calcaire à Astéries (Oligozän, Seesterne als Leitfossilien), der Calcaire de Saint-Estèphe (Eozän), die Molasses du Fronsadais — das ist der Stein des rechten Ufers. Saint-Émilion, Weine der Côte de Blaye und Weine aus dem Gebiet des Entre-deux-Mers stehen auf diesem Kalk.

Die Pyrenäen entstehen


Ab ca. 45 Mio Jahren vor unserer Zeit drückt die afrikanische Platte Spanien unter Eurasien. Die Pyrenäen falten sich auf. Davor biegt sich die Erdkruste nach unten, das Aquitanische Becken senkt sich viele Kilometer tief ab.
Klingt komisch, ist aber so: große Mengen der Kiesel des Bordelais stammen aus dem Zentralmassiv und den Pyrenäen.

Das Zentralmassiv wird angehoben


Die Verschiebungen, die zur Bildung der Alpen führten, sind auch hunderte Kilometer entfernt folgenreich. Das Zentralmassiv wird angehoben und liefert über die Dordogne weitere Kiesel ins Bordelais. Sie liegen dort mit jenen, die mit der Garonne aus den Pyrenäen herangetragen wurden.

Der Kursswechsel der Garonne


Vor ca. 2 Mio Jahren kippen tektonische Bewegungen entlang der Achse Villagrains-Landiras den Süden hoch und den Norden runter. Die Ur-Garonne, die zuvor zum Becken von Arcachon floss, dreht nach Norden ab und ergießt sich über das heutige Bordelais. Ab jetzt werden die Graves, das Médoc und die linke Flussseite mit Kies überschüttet.

Die Eiszeiten und ihr Wasser


Mindestens fünf Vereisungsphasen, die vor 2.6 Millionen Jahren begannen formten die Landschaft weiter. In jeder Kaltzeit sinkt der Meeresspiegel (vor 18.000 Jahren lag die Küste 130 Meter tiefer und 120 km weiter draußen als heute), die Flüsse graben sich ein. In jeder Warmzeit steigt der Meeresspiegel, die Flüsse füllen ihre Täler mit Kies. Dieser Rhythmus — einschneiden, auffüllen, einschneiden — erzeugt die sechs Kiesterrassen des linken Ufers, gestaffelt von innen (alt, hoch, fern vom Fluss) nach außen (jung, tief, nah am Fluss). Bei Margaux sind alle sechs Stufen erhalten. Bei Pauillac und Saint-Estèphe nur noch Stufe 3 und 4, der Fluss hat die anderen weggefressen.

Warum es so teure Château im Médoc gibt


Diese über Millionen Jahre dauernde Auffüllen mit Kies passierte immer wieder mit unterschiedlichen Flussläufen, die mal mehr, mal weniger Wasser und damit Kies führten. Es ist leicht zu verstehen, dass an manchen Stellen sich der Kies höher türmte als an anderen Stellen. Als die Hölländer das Médoc trocken legten, sah man den Kiesbänken nicht an, wie mächtig sie waren oder ob die darunterliegenden Tonlinsen für eine gute Drainage sorgen oder nicht. Was hingegen schnell bewerkt wurde: Weine von einigen wenigen Weinbergen im Médoc waren über die Jahre immer zu weitaus höheren Preisn zu verkaufen, als andere Weine.
Viele Jahre und Untersuchungsmethoden später wusste man, dass die Höhe und der Aufbau dieser Kiesbänke die Qualität der Weine im Médoc direkt beeinflußt.

Der Sand des Landes


In der letzten Kaltzeit (Würm) blasen Westwinde Sand vom trockengefallenen Schelf landeinwärts. Dieser Sand deckt alles westlich der Graves zu. Bei Saint-Laurent-Médoc wo das Château Balac liegt, trifft Sand auf Kies. Balac hat 30% Graves, 40% Ton-Kalk, 30% Sand-Lehm. Also gemischter Boden am Übergang zum Wald. Die Weine von Balac haben einen recht ungewöhnliche hohen Anteil an Merlot, was auf diesen eher sandigen Boden zurückzuführen ist.

Etwas näher an der Gironde liegt das Château Micalet. Micalet steht auf den Graves-Croupes und erzeugt Micalet Weine mit bis zu 70% Cabernet Sauvignon, was auf tiefem, durchlässigem Kies am besten funktioniert.