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WEINRAUM Wein aus gutem Grund
Lexikon

YAN

yeast assimilable nitrogen - hefeverwertbaren Stickstoff

Weisse Weinbeeren im Gegenlicht der Sonne
Rebenblüte auf der Domaine Brusset an der Rhône

YAN steht für yeast assimilable nitrogen — den hefeverwertbaren Stickstoff im Most. Gemeint ist die Summe aus Ammonium und freien α-Aminosäuren, die Hefen während der Gärung tatsächlich aufnehmen und verstoffwechseln können. Prolin zählt nicht dazu, weil sein Abbau einen sauerstoffabhängigen Schritt erfordert, der unter den anaeroben Bedingungen der alkoholischen Gärung nicht abläuft. YAN wird üblicherweise in Milligramm Stickstoff pro Liter angegeben (mg N/L); als Richtwert für eine vollständige Gärung gelten je nach Zuckergehalt und Hefestamm 140 bis 250 mg N/L.



Die Höhe des YAN entscheidet maßgeblich über den Verlauf der Gärung. Niedrige Werte — typisch in heißen, trockenen Jahren, auf erschöpften Böden oder bei sehr früher Lese — führen zu schleppenden, oft stockenden Gärungen, zu Restzucker und zur Bildung unerwünschter Schwefelverbindungen wie Schwefelwasserstoff (H₂S) und Mercaptan. Zu hohe YAN-Werte wiederum begünstigen die Bildung biogener Amine, erhöhen das Risiko erhöhter Ethylcarbamat-Werte und können das Aromaprofil in Richtung dominanter Gäraromen verschieben.



Im Weinkeller wird YAN vor der Gärung gemessen und bei Bedarf gezielt ergänzt — typischerweise mit Diammoniumphosphat (DAP), das Ammonium liefert, oder mit organischen Hefenährstoffen, die zusätzlich Aminosäuren, Vitamine und Spurenelemente wie Prolin enthalten. Welche Variante sinnvoll ist, hängt von Hefestamm, Mostzusammensetzung und gewünschtem Stil ab: Reine Ammoniumgaben fördern eine zügige, neutrale Gärung, organische Nährstoffe unterstützen die Bildung komplexerer primärer Aromen. Die Steuerung des YAN ist damit eine der grundlegenden weinbaulichen und kellertechnischen Stellschrauben — sie entscheidet weniger über den Geschmack einzelner Bestandteile als darüber, ob die Gärung den Wein dorthin bringt, wo er stilistisch hinsoll.