Prosecco und der ewige venezianische Widerspruch
Aber doch nicht zu einer «richtigen» Einladung! Da gibt es Crémant oder Champagner.
Ein Besuch in der Prosecco Region lohnt sich
Ein Besuch in der Region öffnet die Augen, was in den Orten um Valdobbiadene erzeugt wird. Von wem, warum und wozu. Prosecco ist in den Dörfern der Hügel das Leben. Man lebt für ihn und mit ihm. Er wird zum Essen aus dem Zapfhahn in Karaffen gefüllt und zum Essen getrunken.
Und zwei Dinge sind - beim Teutates! - sicher: Italiener trinken keinen Fusel zum Essen und erst recht keinen süßen Fusel. Basta.
Ganz abgesehen davon ist die Region eine ruhige Reisegegend. Kleine Dörfer und Osterien, viele Prosecco Winzer und im Frühjahr der Karneval. Einige Reiserouten hat das Prosecco Konsortium zusammengestellt.
«secco» kommt nicht von trocken, Holzkopf!
Prosecco ist ein Dorf in der Gegend von Triest. Triest ist gleich neben Slowenien, aus Slowenien kommen die guten Eichen, in denen Weine gut reifen und Eichen muss man fällen, wenn man sie verarbeiten will. Eine abgeholzte Fläche heißt im slawischen Dialekt «proseku» und von diesem Wort hat das Dorf Prosecco seinen Namen und nicht vom italienischen Wort für trocken, Holzkopf!
Vor etlichen Jahren wurde alleine in dem Laden mit den vier Buchstaben mehr «Prosecco» verkauft, als im ganzen Veneto erzeugt wird. Es waren blubbrige Getränke, die aus der Rebsorte Prosecco hergestellt wurden - irgendwo.
Glera ist die Traubensorte, aus der Prosecco erzeugt wird
Also wurde die Traube umbenannt und nur im Veneto zugelassen. Prosecco musste nun aus der Rebsorte Glera erzeugt sein und in der Region Prosecco DOC, Treviso oder Valdobbiadene erzeugt worden sein.
Das viele Geld war vergebens: Prosecco ist für die meisten Verbraucher ein billiges Blubbergetränk und die Wortspielerei hat praktisch niemand mitbekommen. Die Weine heißen nun Frizzante, die Flaschen sind bunt und sehen irgendwie wie Prosecco aus.
Prosecco Weinberge im Norden Italiens
Das Klima dieser venezianisch-friaulischen Region ist gemäßigt: Im Norden bildet die Alpenkette eine Barriere gegen die kalten Nordströmungen und aus dem Süden wehen vom Adriatische Meer der Schirokko Wind, der Niederschläge während der Sommermonate heranführt und im Winter die Schwankungen der Temperatur mildert.
Am Ende des Sommers und im Herbst, also zur Zeit der Lese, sind es trockene Ostwinde, die große Temperaturschwankungen zwischen den Tagen und Nächten verursachen. Die Trauben können lange reifen und behalten doch ihre wichtige Säure, die dem Prosecco seine charakteristische Frische gibt.
Das Proseccogebiet ist reich an Mineralien und Mikroelementen. Die Böden sind überwiegend alluvialen Ursprungs und weisen domonierend eine ton-schluffige Textur mit einem hohen Gehalt fossiler Ablagerungen auf, das aus der Erosion der Dolomiten stammt resultiert und eine gute Entwässerung der Weinberge ermöglicht.
Weitere für Prosecco zugelassende Rebsorten
Für den Rosé-Typ werden ausschließlich Glera-Trauben (85 – 90 %) und Pinot Noir (10 – 15 %) verwendet, die als Rotwein vinifiziert werden. Es ist verbindlich, auf dem Etikett die Jahrgangsbezeichnung anzugeben, gefolgt von der Angabe des Referenzjahrgangs von mindestens 85 % der Trauben.
Produktionsgebiet des Prosecco liegt in den Provinzen Belluno, Gorizia, Padua, Pordenone, Treviso, Triest, Udine, Venedig, Vicenza.
Neben den strengen Vorschriften zur Herkunft und dem Anbau von Trauben für den Prosecco ist auch der Verkauf in engen Bahnen gehalten. Früher wurde der Großteil der Lese in Tankwagen nach Deutschland - dem größten Abnehmer - gefahren, günstig abgefüllt und unter Phantasienamen verkauft.
Heute sind Flaschen vorgeschrieben, auch die Farbe, deren Größe, der Verschluss und die Kennzeichnung sind genau festgelegt.
Wie schon erwähnt: den Kunden fallen solche Besonderheiten nicht auf, sie kaufen weiter sprudelnden Wein. Ob und was so genau auf der Flasche steht, liest kaum jemand und interessiert praktisch niemand.
Viel biologischer Prosecco aus dem Veneto
Viele der Betriebe arbeiten mittlerweile biologisch, sehr handwerklich ohnehin und mit viel Bedacht darauf, den Geschmack und die Aromen in ihren Weinen zu konservieren.
Im weinraum gibt es die Weine von Bival und Col del Lupo. Zwei Erzeuger, die insbesondere die völlig trockenen Flaschengärungen (Fondo) anbieten. Die Hefe bleibt in der Flasche und der Prosecco ist ein wenig trüb, aber völlig durchgegoren und trocken. Hier trübt kein Restzucker die Sinne!