Was am Burgund besonders ist
Diese Nase!
Die
Feinheit der Weine wird über die
Nase aufgenommen, es sind
Aromen. Viele sind nicht gewohnt, Aromen über die Nase zu ergründen. Sie wollen «schmecken», also etwas im Mund haben. Wenn man etwas nicht mag, hält man sich die Nase zu, dann gehts... Ohne die Nase geht nichts beim Burgunder.
Tausend Lagen!
Es gibt 1247 Climats, wie die Lagen im Burgund heißen, und sie bezeichnen die Weine. An der
Rhône, im
Piemont ist meist ein Dorf der Ursprung. Es ist ein
Gigondas oder ein
Alba, aber die Nennung eines einzelnen Weinberges ist noch ungewöhnlich. Im Burgund
das Merkmal für den Wein.
Diese 1247 Climats reichen aber eigentlich nicht, denn selbst innerhalb dieser Climats streiten sich die Gelehrten, ob die besseren Weine, die eine Klassifizierung rechtfertigen, nicht nur bis zu einer gewissen Höhe wachsen und den darunterliegenden die Finesse fehlt.
Winzer ist nicht Lage
In Bordeaux sind es die Weingüter, die Lagen besitzen und die Preise und Qualitäten der Weine belegen. Man unterteilt einen Wein des Château Margaux nicht nach Rebzeilen.
Im Burgund kostet ein Weinberg Millionen und die Kinder eines Winzers erben immer gleich viel, was von Napoleon gut gemeint war. Nach dem Erben kommt die Erbschaftssteuer und der schöne neu ererbte Besitz ist gleich wieder weg: Weinberge müssen verkauft werden, um diese Steuer zu zahlen.
Über die
Jahrunderte sind aus diesen Vererbungen ein
Flickenteppich winziger Besitztümer entstanden, und ein
climat wird von vielen Winzern bewirtschaftet. Man kauft also nicht nur eine Lage, sondern einen Wein von einem der Winzer, die diese Lagen bearbeiten.
Winzer ist nicht Winzer
Pinot Noir und Chardonnay sind Rebsorten, die recht stark auf den Boden reagieren, auf dem die Reben stehen, aber auch auf die Art, wie die Weine im Weinkeller ausgebaut werden. Und diese Methoden werden unter Winzern wie Fachleuten durchaus vehement vertreten. Die Weine auf ein und demselben Climat können also sehr unterschiedlich sein, je nachdem, wer die Weine ausgebaut hat.
Die Lösung: Punkte, Sterne. Oder die eigene Nase
Es gibt
Leute, die diese Unterschiede kennen und erkennen, benennen können.
Wenige.
Viele hingegen, die besonderen Wein aus dem Burgund kaufen möchten, kaufen Punkte. Es ist im Weinhandel durchaus üblich, felsenfest davon auszugehen, dass ein Wein mit 97 Punkten (von wem auch immer) einem Wein mit 94 Punkten um Welten überlegen ist.
Weil es viel zu kompliziert ist, die verschiedenen Weine vergleichen zu können, deligiert man die Beurteilung anderen und verlässt sich darauf.
Am Ende steht man doch nur mit seinem oder ihrem
Glas da, riecht (wenns gut geht) und muss sich das
eigene Urteil bilden. Und da sind 94 oder 97 Punkte nicht so bedeutend. Die eigene Nase ist es.
Boden und Lage
Für sein Buch
Terroir - Schlüssel zum Wein hatte James Wilson geplant, die Böden des Burgund aus der Luft erkunden. Der Flug fiel buchstäblich ins Wasser: die Wolken hingen zu tief. Er musste mit seinen beiden Begleitern – zwei renommierten französischen Professoren der Geologie – zu Fuß durch die Weinberge stapfen.
Zum Glück. Aus dem Flugzeug hätte er vieles gesehen, was das Burgund ausmacht, aber nichts verstanden.
Feine Linien, grobe Klumpen und zwei Professoren
Es gibt Linien, entlang derer sich der Hang abflacht. An anderen Stellen ändert sich die Farbe des Bodens leicht,
ein kleiner Hang erhellt das Gesicht der Professoren: bis zu diesem Hang werden besondere Weine gewonnen,
einen Schritt weiter hingegen,
fällt das Aroma, die Frucht wird konstant über die Jahrgänge deutlich weniger als in den Weinen, die oberhalb des Hangs erzeugt werden.
Manchmal stand Wilson mit einem Fuß auf trockener Erde und der andere hatte mächtige Klumpen feuchter Erde an den Sohlen hängen. Doch
warum braucht man - Wilson ist selbst Geologe -
zwei Professoren der Geologie?
Boden und sein Untergrund
Es ist nicht so, dass die Böden von hervorragend zu schlecht wechseln, sondern sie wechseln zu sehr gut und gut. Der Grund im Burgund ist durchgängig besonders. Und dort, wo er es für Wein nicht ist, ist er perfekt für den Crémant aus dem Burgund.
Die Rebsorten des Burgund
Details, die ihre Wirkung erst voll entfalten, wenn die Rebsorten des Burgund drauf angebaut werden:
Pinot Noir und
Chardonnay. Beide Rebsorten ergeben ausgesprochen feine Weine, ihre Klasse liegt nicht in mächtigen Aromen. Beide Rebsorten reagieren weit mehr als viele andere Rebsorten auf den Boden, an dem sie angebaut werden und daher auch auf diese feinen Unterschiede.
Und beide Rebsorten stehen aus einem einfachen Grund im Burgund: es ist in der nördlichen Lage zu kalt und feucht für andere Rebsorten. Nicht umsonst stehen sie ebenso in der kalten Champagne.