Aroma
Dunkle Frucht — die schwarze, reife Seite eines Rotweins, die oft auf einen kräftigen, gehaltvollen Wein hinweist. Sie hängt vor allem an der Rebsorte und am Reifegrad: Reife Trauben aus warmem Anbau bringen sie mit, typisch ist sie für Cabernet, Syrah und Merlot. Der Weinkeller betont diese Note, erzeugt sie aber nicht. Gefördert durch reife Trauben aus warmem Anbau, geringen Ertrag und einen längeren Maischekontakt zeigt sich die dunkle Frucht am deutlichsten; in kühleren Lagen tritt eher rote Frucht an ihre Stelle. Floral Die helle, duftige Seite eines Weins wird oft von floralen Aromen bestimmt. Die Vorstufen floraler Noten liegen in der Beerenhaut, die Hefen setzen sie bei der Gärung frei. Wie deutlich die Blütennote ausfällt, hängt stark von der Rebsorte ab: Typisch ist sie für aromatische Sorten wie Muskat, Gewürztraminer und Viognier, beim Syrah zeigt sich das Veilchen vorwiegend in der Jugend. Gefördert werden florale Noten durch eher trockene Sommer und Licht im Weinberg. Eine kühle, schonende Gärung vermag mehr dieser Aromen aus der Schale der Beeren zu lösen. Kräuter / Garrigue Diese Aromen verraten meist eine kühle, frische Herkunft, bei der Garrigue eine südliche, trockene Landschaft. Die grüne Note bringt die Traube aus dem Weinberg mit, solange sie jung und nicht zu reif ist. Gefördert durch kühle, schattige Lagen, einen frühen Lesezeitpunkt und eine zurückhaltende Entblätterung bleibt die grüne Note erhalten, denn zu viel Sonne baut sie ab. Die Aromen von Garrigue entstehen hingegen eher an einem trockenen, südlichen Standort. In Maßen wirkt sie frisch und belebend; zu viel grüner Paprika kippt ins Unangenehme.


Terroir
Höhere Lage Frische aus dem warmen Süden. Weine aus Hochlagen wirken heller und lebendiger — Duft, Spannung, maßvoller Alkohol —, weil die Trauben höher und kühler hängen und langsamer reifen. Wer südliche Weine oft zu schwer und zu wuchtig findet, kann aus solchen Lagen interessante Weine finden. Freunde dieser kräftigen Weine werden nicht enttäuscht, aus den höheren Lagen kommen nicht plötzlich Burgunder. Dazu etwas mehr Farbe und Struktur aus dem stärkeren Licht der Höhe. Bei wenigen Metern Differenz nicht bemerkbar. In Lagen, die einige hundert Meter höher liegen wie den Hautes Corbières spürbar. Hochlagen an Gebirgen haben extremere Bedingungen. Dort reifen etwa viele Sorten nicht mehr, der Weinbau ist durch die Höhe gefordert. Die Hochlagen im Süden sind damit nicht zu vergleichen. Kalkgeröll Kalkgeröll lagert sich oft am Fuße eines Kalkhaltigen Berges ab. Er ist kantig, anders als die Schwemmkiesel in Flussläufen. Weine von Kalkgeröll haben oft Struktur und Frische zugleich, wenn der Boden zweischichtig ist — grober Kalkschutt über einer feinen Mergel- oder Tonschicht — und die Rebe dadurch knapp gehalten, im Trockenjahr aber aus der Reserve ausreichend mit Wasser versorgt wird. Sie bleiben auch im warmen Süden lebendig. Der Grund liegt im kantigen Kalkschutt am Hangfuß, etwa unter den Dentelles de Montmirail über Gigondas. Er lässt Regen oben ablaufen, hält darunter eine kühle Wasserreserve für Hitzejahre und hält die Rebe knapp — kleine, dichte Beeren. Das Merkmal gilt für die einzelne Parzelle, die wirklich auf Kalkschutt steht, nicht für eine ganze Appellation. Kühle Nächte Kühlt die Nacht in der Reifezeit ab, setzt die Beere weniger von ihrer Apfelsäure zur Gewinnung von Energie um. Die Säure bleibt in der Beere erhalten und wirkt frisch in dem späteren Wein. Diese Säure klingt gerne nach saurem Wein – dies ist nicht der Effekt. Ein saurer Wein ist aus der Balance, hat für die Säure zu wenig Aroma und wirkt spitz, unausgewogen. Das liegt oft an zu hohem Ertrag, mitunter auch an einem kühlen Jahr. In kühlen Lagen und gutem Jahr reifen die Trauben länger und erreichen weitgehend ihre volle phenolische Reife. Fehlt solchen Weinen die Säure, sind sie ebenfalls aus der Balance. Die Aromen wirken überladen, zu schwer am Gaumen. Diesen Eindruck vermindert eine Lage mit kühlen Nächten. Die Weine reifen aus und bleiben ausgewogen. Die Kühle in der Nacht hält auch den Farbstoff, den eine warme Nacht abbauen würde. Bedeutend ist an sich die Temperatur in der Nacht, nicht die große Schwankung von Tag- und Nachttemperatur. Der warme Tag mit viel Sonne bringt erst die Reife. Unter «kühler Nacht» wird daher eine Lage in einer warmen Region verstanden, die nachts kühlere Temperaturen hat, als üblich in der Region. Mergel Mergel, ein Gestein aus Kalk und Ton, abgelagert in alten Meeren, liegt unter Weinbergen in vielen Gegenden — in Chablis, Sancerre und Menetou-Salon und an der südlichen Rhône. Wie er wirkt, hängt von der Lage ab: Liegt Kalkschutt darüber, reifen die Trauben oft früher; auf tiefem, tonreichem Mergel eher langsam. An der Ouvèze in der Provence, etwa nahe den Orten Gigondas, Rasteau, Sablet, Séguret und Vacqueyras, liegt der Mergel unter den Kiesschichten, die die Ouvèze in den verschiedenen Eiszeiten über einige 100.000 Jahre mehrschichtig angelagert hat. Die feinen Rotweine der Tallagen dieser Orte gedeihen in der Tiefe auf Mergel. Die Reben wurzeln bis unter den Kiesel und finden im Mergel Wasser und Nährstoffe. Mit rund 70 Prozent Ton sind sie tonreicher als Mergel im engen Sinn. Die Reben können hier tief wurzeln und gelangen auch in der Tiefe an Wasser. Der Sauvignon Blanc reift langsam mit viel Zucker. Jung wirkt er eher verschlossen, mit der Lagerung voller, fester, kräftiger. In den heutigen Gebieten von Sancerre, Menetou Salon und Chablis lagerte sich im Kimmeridge, einem Abschnitt der späten Jurazeit, der Boden in einem flachen tropischen Meer ab. In Sancerre und Menetou Salon entstanden die Terres blanches, weiße Erden, weil sie beim Trocknen weiß werden. Im Gebiet von Menetou Salon liegt Kimmeridge Mergel unter den Weinbergen. Die Rotweine entwickeln feines Tannin und leichte Frucht. Weißweine haben weniger Säure als jene aus Sancerre, sind jung zugänglicher. Der Mergel in den tiefen und Hanglagen im Chablis ist dichter, die Wurzeln kommen kaum in den Boden. Im Flachen staut sich die Nässe, weshalb die Hanglagen weitaus bevorzugt sind. Zudem profitieren die Hänge in der kühlen nördlichen Lage von der Exposition zur Sonne. In den oberen, steilen Hängen läuft das Wasser auf dem dichten Mergel ab, die Reben leben von der nur 50, mitunter 30cm dicken Deckschicht. Die Reben werden an Drähten gezogen und vor dem Pflanzen wird der Boden aufgebrochen, damit die Rebe tiefer wurzeln kann. Auf dem Plateau ist der Mergel wieder hart, aber zerklüftet, die obere Schicht wurde nicht abgetragen und ist 60-80 cm tief. Das Petit Chablis hat damit einen tiefgründigeren, besser bewurzelbaren Boden als Chablis und ist eben nicht die «petit» Lage. Mistral Seine wichtigste Wirkung ist die Trockenheit. Weht der Mistral, fällt die Luftfeuchte unter dreißig Prozent. Pilzen, die Reben befallen könnten, fehlt die wichtigste Grundlage. Mehltau und Grauschimmel benötigen Feuchte und stehende Luft. Nach einem Regen trocknet der Mistral die Trauben, sie faulen nicht. Der Wind bremst die Sommerhitze und hilft, Säure und Frische zu erhalten. Der trockene Wind treibt auch die Verdunstung. In Maßen konzentriert das die Beeren, im Übermaß hält er die Reife an. Die wichtigste Wirkung des Mistrals ist die Gesundheit der Trauben. Winzer spritzen generell weniger. Wer jedoch auf ausdrucksvolle Weine ausgerichtet ist, kann seine Weine ohne künstliche Hefen vergären: die natürlichen Hefen auf den Beeren sind gesund und ergeben wundervolle Weine, die ohne Risiko vergären. Regionen, die häufiger von Nässe betroffen sind, haben hierbei deutlich mehr Probleme und behaupten hartnäckig, künstliche Hefen brächten genau so gute Weine hervor. Steillage In einem Wein aus der Steillage steckt viel Handarbeit. Ab etwa 30 Prozent Neigung kommen normale Erntemaschinen und Traktoren nicht mehr zum Einsatz. Schnitt, Laubarbeit und Lese passieren dort oft von Hand. Der Aufwand lohnt sich, wo Qualität das Ziel ist. Der Unterschied zu den flachen Lagen ist dann nicht groß und Hanglagen bieten oft große Vorteile. Die Sonne erreicht die Reben besser und der Boden hat oft bessere Grundlagen als im Flachen. Steillagen passen oft zu Winzern, die solche Lagen bewusst wählen, um ausdrucksvolle Weine zu erzeugen. Zu finden etwa in jeweils einigen Lagen in Gigondas und Vacqueyras an der südlichen Rhône, im Burgund und in den Hautes Corbières. Steillage ist eine Einordnung pro Parzelle. Steinig In trockenen Jahren und wo wenig Feinerde Wasser hält, bringt ein steiniger Boden bei Rotwein oft mehr Farbe und weniger Apfelsäure, weil die Rebe eher knapp mit Wasser auskommt und die Beeren klein bleiben; das gilt nicht für jeden steinigen Weinberg. Hier gibt es Ausnahmen: Poröse Steine speichern selbst Wasser, und eine Steindecke hält die Erde darunter oft feucht, dann leidet die Rebe weniger. Steinige Böden trocknen nach Regen oft schneller ab und erwärmen sich im Frühjahr früher, besonders auf tonhaltigem Untergrund. Je nach Untergrund und Steinart variieren diese Einflüsse. Je nach Rebsorte kann mehr Bodenwärme den Wein reifer, aber auch ärmer an Apfelsäure machen. Spät reifende Sorten in kühlerem Klima können davon profitieren, während früh reifende Sorten eher weniger frisch erscheinen können. Der Begriff nennt nur den hohen Steinanteil und sagt nichts darüber, ob Ton, Sand oder Mergel dazwischen liegt.![Ein paar Meter höher gelegene Weinberge wie in vielen Villages Lagen in der [[w-reg || gigondas || Provence]], im [[w-reg || Minervois]] und den [[w-reg || Corbières]] verändern die Weine oft stark hin zu feineren Weinen verglichen mit jenen aus tieferen Lagen.](/_data_usp/195/hochlage-0.webp)






Erzeugung
Betonausbau Beim Betonausbau reift der Wein in einem Behälter aus Beton statt im Holzfass. Diese Methode ist relativ neu, Beton in Weinkellern hingegen nicht: sie sind in sehr vielen Weinkellern installiert, aber innen beschichtet. Das Material ist neutral und gibt keine Holznote ab, deshalb bleiben Frucht und Herkunft klar. Die schwere Wand hält die Temperatur ruhig, und unbeschichteter Beton lässt anders als Edelstahl etwas Luft an den Wein; das rundet die Gerbstoffe und baut Textur, die Eiform hält zusätzlich die Hefe sanft in Bewegung und gibt mehr Mundgefühl. Aromen, die so erhalten bleiben: die klare Frucht (Steinobst, Zitrus, Sortenfrucht), ohne dass sich eine Holznote darüberlegt — der Wein wirkt dafür runder und griffiger. Innen beschichteter Beton bleibt dagegen dicht und verhält sich eher wie Edelstahl. Die schwere Wand wirkt wie ein Speicher. Beton nimmt Wärme langsam auf und gibt sie langsam wieder ab (thermische Masse). Schwankt die Temperatur im Keller, folgt der Wein nur verzögert. Das dämpft Wärmespitzen, die bei der Gärung entstehen, wenn die Hefe selbst Wärme freisetzt. Die Gärung und die Reife laufen dadurch ruhiger, und empfindliche Fruchtaromen gehen weniger verloren. Viele Betongefäße sind eiförmig. In der Eiform steigt der Wein an der Wand auf und sinkt in der Mitte wieder ab, eine sanfte Strömung (Konvektion). Sie hält die feine Hefe, die sich nach der Gärung absetzen würde, in Schwebe und in Kontakt mit dem Wein. Die Hefe gibt dabei Stoffe frei, die das Mundgefühl voller machen. Der Winzer muss dafür weder rühren und besonders nicht pumpen, was dem Wein tendenziell schadet. Kühle Gärung Bei der kühlen Gärung wird der Most im Keller bewusst kühl vergoren. Die Frische und Klarheit im Wein wird betont. Die Hefen, besonders die natürlichen Hefen aus dem Weinberg, bilden bei niedriger Temperatur mehr fruchtige Ester und die sind kühl auch stabiler. Das prägt besonders Weißweine und fruchtbetonte Rotweine. Umgekehrt bevorzugt eine höhere Gärtemperatur üppigere Aromen. Langer Ausbau Der junge, noch rohe Wein reift langsam, Frucht, Säure und Gerbstoff fügen sich zusammen, harte Gerbstoffe runden sich, und der Wein klärt sich mit der Zeit. Aromen, die so entstehen: höchstens ein leiser, reifer Ton. Der Wein wirkt runder und geschlossener. Lange Reife verbessert Weine mit Substanz, die sich bei der Reife harmonisiert. Wie das im Einzelnen läuft, hängt vom Gefäß ab. Atmet es, wie ein Holzfass, unbeschichteter Beton oder eine unglasierte Tonamphore, kommt über die Jahre sehr wenig Luft an den Wein. Diese langsame Mikrooxidation wirkt zuerst auf den Alkohol: Er wandelt sich in kleinen Mengen zu Acetaldehyd, einem flüchtigen Zwischenprodukt der Oxidation. Acetaldehyd fördert die Verbindung der Gerbstoffe mit den Farbstoffen zu größeren, stabileren Molekülen, und der Wein erscheint oft weicher. Ein Teil dieser Moleküle wird mit der Zeit so groß, dass er sich als Depot absetzt. Die Säure baut sich dabei nicht ab; sie wirkt nur milder, weil die Gerbstoffe runder sind und sich alles besser fügt. Zu viel Luft über zu lange Zeit kippt den Wein dagegen. Die Frucht verblasst, es droht ein firner Ton. Nebenbei klärt sich der Wein. Hefereste und Schwebstoffe setzen sich mit der Zeit am Boden ab, und der Wein wird klarer und stabiler, bevor er in die Flasche kommt. Eine Flaschenreife beim Winzer findet weitgehend ohne Luftzufuhr nach dem Füllen in der Flasche statt. Spontangärung Bei der Spontangärung vergärt der Most mit den eigenen Hefen, die auf den Trauben gewachsen sind, statt mit zugesetzter Zuchthefe. Der Wein wird tendenziell vielschichtiger und eigenständiger und trägt seine Herkunft deutlicher. Aromen, die aus solchen Vorstufen oft entstehen: florale Noten, Steinobst und Zitrus, die diese Vielfalt breiter fördert als ein einzelner Zuchtstamm. Das gelingt mit gesunden Trauben aus einem lebendigen Weinberg, ist aber riskanter, denn die Gärung kann stocken oder Fehltöne wie einen Essigton entwickeln. Unfiltriert Ein Filter trennt nur nach Größe, nicht nach Stoff. Mit den Trübstoffen nimmt er auch die feinen Kolloide mit, vor allem die Mannoproteine aus der Gärung, und die sind selbst Aromaträger und geben Textur. Bleiben sie drin, wirkt der Wein voller und seine Aromasubstanz unberührt; bei Rotweinen fallen die Tannine zugleich etwas weicher aus. Für machne unangenehm in der Flasche: ein wenig Depot oder eine leichte Trübung. Der Gewinn liegt im Aroma, trotzdem lehnen viele Weintrinker diese Feststoffe, den Belag am Boden oder die Trübung strikt ab. Ungeschönt Ungeschönt bedeutet, dass der Winzer kein Schönungsmittel zugibt, um den Wein zu klären. Üblich wären Stoffe wie Eiweiß, Gelatine oder Bentonit, die Trübstoffe und überschüssige Gerbstoffe binden und als Satz zu Boden ziehen. So bleibt im Wein, was ein Schönungsmittel mit herauszöge, und das gibt mehr Textur und Fülle. Weil dabei keine tierischen Mittel nötig sind, ist ein solcher Wein meist auch für Veganer geeignet. Der Wein kann etwas trüber stehen oder mehr Satz bilden, und er muss von sich aus im Gleichgewicht sein, weil nichts eine Härte oder Trübung nachträglich glättet. Schönen, auch Collage genannt, ist ein alter Weg, einen Wein klar und haltbar zu machen. Die Mittel dafür sind überwiegend tierischen Ursprungs: Eiweiß aus dem Hühnerei, Gelatine, Hausenblase aus der Schwimmblase von Fischen, Kasein aus der Milch. Daneben steht das mineralische Bentonit, ein Tonmineral, das vor allem Eiweiß bindet, und es gibt pflanzliche Mittel aus Erbsen- oder Kartoffelprotein. Jedes dieser Mittel hat einen Einsatzzweck. Im Weißwein bindet Bentonit Eiweiße, die später bei Wärme als Trübung ausfallen würden. Im Rotwein nimmt eine Eiweiß- oder Gelatineschönung einen Teil der Gerbstoffe heraus und mildert Härte und Bitterkeit. In beiden Fällen wird der Wein zugleich klarer. Bleibt die Schönung aus, bleiben feine Kolloide und Mannoproteine im Wein, die dem Wein Textur und Fülle geben. Im Rotwein verbleiben ein Teil der Gerbstoffe, die zu seiner Struktur gehören. Der Wein wirkt dadurch oft vollständiger und runder als derselbe Wein nach einer kräftigen Schönung, die neben dem Unerwünschten auch Erwünschtes mitnimmt.
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Winzer
Alte Reben Alte Reben tragen von Natur aus weniger, und was sie tragen, ist über die Jahre erstaunlich verlässlich. In Jahrzehnten haben sie ein tiefes Wurzelwerk gebildet, das an Wasser und Nährstoffe weit unter der Oberfläche kommt — das macht sie ruhiger: Sie treiben weniger ins Laub, kommen gleichmäßiger durch trockene wie nasse Jahre und schwanken von Jahrgang zu Jahrgang weniger als junge Anlagen. Aus dieser Balance und dem kleinen Ertrag entstehen oft konzentriertere, vielschichtigere Weine. Ein alter Weinberg bringt weniger ein als eine junge, ertragsreiche Neuanlage — wer die alten Stöcke stehen lässt, statt sie zu roden, verzichtet bewusst auf Menge. Was einmal gerodet ist, ist vierzig Jahre weg. Ein exakter Begriff ist «alte Reben» allerdings nicht. Ab wann Reben auf einem Weingut als alt bezeichnet werden, legt jeder Winzer selbst fest. Mal dreißig, mal über sechzig Jahre. Und Alter allein macht keinen großen Wein; die Dichte kommt aus der Balance, nicht aus der Zahl. Familienbetrieb Die Weinberge, das Weingut, der Weinberg gehören der Familie. Die Dinge bestehen, um zu bleiben, und so werden sie bearbeitet und behandelt. Besonders sind jedoch die Arbeiten auch meist in der Familie aufgeteilt. Das macht es nicht unbedingt besser, aber es werden - außer Helfern zur Lese - keine angestellten Arbeiter beschäftigt, die kommen und gehen. Gründlich arbeiten oder weniger gut. Ein Familienweingut an sich ist keine Garantie für gute Weine. Nahezu alle wirklich guten und ausdrucksvollen Weine stammen jedoch von solchen Weingütern. Die Welt der Sterne, Punkte und Schlösser ist eine andere Welt. Grüner Weinberg Zwischen den Rebzeilen wächst das ganze Jahr eine Pflanzendecke. Sie hält den Boden fest, bringt Leben hinein und nimmt der Rebe etwas Wasser weg, sodass sie meist maßvoller wächst und kleinere Beeren trägt. In sehr trockenen Lagen kann diese Konkurrenz allerdings auch zu viel werden. Genauso kann in sehr trockenen Lagen diese obere Schicht die Sonneneinstrahlung reduzieren und die Verdunstung aus tieferen Schichten im Boden reduzieren. Das ist kein «egal», es hängt von dem jeweiligen Weinberg, der Lage ab. Handlese Soweit schaffen das moderne Lesemaschinen auch weitgehend. Auch die bringen, wenn gewünscht, ganze Beeren in den Keller und selektieren Unrat über Gebläse aus. Der Unterschied ist, wie genau man arbeiten möchte. Ein Trupp ungelernter Helfer, Studenten, die sich einen lustigen Herbst machen, arbeitet anders als solche, die das Gut schon über viele Jahre kennen und genau wissen, was die Winzer wollen. Wie genau sortiert werden muss und wie viel länger eine solche Arbeit dauern darf. «Handgelesen» sagt für sich genommen so wenig wie «handgerüttelt» für einen Crémant, das «wie» entscheidet über das Ergebnis. Wie genau wurden die Trauben selektiert? Oft gehen für hochwertigen Wein Winzer mehrfach durch die Rebzeilen und selektieren. Weniger, weil ihnen bei doppeltem Durchgehen doppelt so viel auffällt, als dass sich zwischen den Durchgängen kleine faule Stellen haben ausweiten können. Diese wären beim ersten Durchlauf akzeptabel gewesen, beim zweiten jedoch nicht mehr. Solcherlei Aufwand erreicht erst die besondere Feinheit solcher Weine, die erst Handlese zu einem Merkmal für einen besonderen Wein machen. In steileren Lagen ist Handlese erforderlich, weil Vollautomaten nicht mehr fahren können, und mit der Strauchhaltung eines Gobelet Schnitts, der für hochwertige Weine ebenfalls gewünscht ist, können Maschinen kaum lesen. Kein Herbizid Der Streit ist natürlich auch zwischen politischen Lagern geteilt. Auch zwischen jenen, die die Arbeit scheuen und lieber spritzen. Das kann auch schlicht eine Preisfrage sein: die Handarbeit muss am Ende bezahlt werden. In manchen Regionen ist das leichter, in anderen schwerer. Und Winzer, die einen guten Namen haben, erzielen Preise, die eine aufwändige Begrünung nicht nur erstatten, sondern sogar einen Mehrpreis rechtfertigen. Was Winzer, die weniger für ihre Weine erhalten, wenig erfreut und die Frage mit Emotionen befrachtet. Es ist also ein bewusster Schritt, auf Herbizide, also Unkrautvernichter, zu verzichten. Der Bewuchs zwischen den Zeilen wird gemäht oder untergearbeitet. Das bedeutet Veränderungen im Weinberg, die sich zum Teil deutlich widersprechen können, wenn in verschiedenen Lagen verschiedene Bedingungen herrschen. Die Rebe ist in Konkurrenz zu der Begrünung, diese kann aber auch Nährstoffe in den Boden einbringen. Die Begrünung kann das wenige Wasser abfangen und weniger an die Wurzeln der Reben durchlassen. Sie kann aber auch den Boden vor der Sonne schützen und ein Verdunsten von Wasser aus der Tiefe des Bodens verhindern. Ob und wie das Weglassen von Herbiziden auf den Boden, und auf die Rebe wirkt, hängt also stark von der Lage ab, dem Jahr. Und, wenn alle Bedingungen eigentlich gut für einen «grünen» Weinberg wären: Schaffen es die Winzer, das Richtige im Weinberg zu tun? Die Begrünung zu ihrem Vorteil gedeihen zu lassen. Einen ganz anderen Vorteil hat das Weglassen der Herbizide im Weinberg: auf den Beeren bilden sich gesunde Hefestämme, die die Gärung starten können. Die Gärung mit diesen wilden Hefen «spontane Gärung» erzeugt weitaus mehr Aromen im Wein als die Gärung mit industrieller Hefe, die zum Most geschüttet wird. Natürlich gehen auch hier die Meinungen sowohl der Weintrinker wie der Winzer stark auseinander. Denn zu weitaus mehr Aromen gehört auch ein weites Feld an Fehlaromen, die bei der spontanen Gärung auftreten können. Je weniger sorgfältig im Weinberg und Weinkeller gearbeitet wurde, umso vermehrt können diese Fehltöne auftreten. Daher ist auch diese Frage bei Winzern, aber auch Weintrinkern gerne mit Emotionen überfrachtet. Eines jedoch ist sicher: der Einsatz von Herbizid verhindert eine Spontangärung weitgehend.




Gigondas 2024
Der Gigondas ist fein und markant, ein Gewächs aus Gigondas. In der Nase stehen wilde Brombeeren und schwarze Kirschen neben Blüten und wilden Kräutern.
Erzeugung & Stil
Am Fuß des Hangs prägen roter Mergel und alte Muschelablagerungen den Boden und geben dem Wein seine Tiefe: der Boden ist karg, doch die Reben finden in der Tiefe auch in trockenen Sommern ausreichend Wasser. Die Kombination aus kargem Boden und wenig, aber ausreichend Wasser bringt die Finesse der Weine aus Gigondas hervor.
Weiter oben stehen Kalkfelsen, die auch die Dentelles de Montmirail bilden. Je höher die Reben wurzeln, desto klarer und straffer wird der Wein, getragen von einer feinen, aufrechten Säure.
Adrien Rustan und seine Helfer lesen die Trauben von Hand, um nur perfekte Trauben zu verarbeiten. Die Stile lässt er an den Trauben; die Maische hat zwei Wochen Zeit, die Aromen aus den Schalen zu lösen. Der Wein gärt spontan, Roustan gibt keine künstlichen Mittel zum Most. Der Wein reift weiter im Betontank. So bleibt die Frucht der fünfzig Jahre alten Grenache rein und zart, und kein Holz legt sich über den Geschmack des Ortes.
Der Gigondas ist fein und markant: er trägt die Eigenart seines Terroirs. In der Nase stehen wilde Brombeeren und schwarze Kirschen neben Blüten und wilden Kräutern. Am Gaumen hat er Kraft und Ausdruck, getragen von einem Gerüst fein eingebundener Tannine.
Hinter dem Wein steht Adrien Roustan, der die Domaine d'Ouréa 2009 aus einem Teil des großväterlichen Guts aufbaute und sie nach dem griechischen Gott der Berge benannte — nach der höchsten Gigondas-Parzelle auf 520 Metern am Südhang der Dentelles. Er bewirtschaftet die Weinberge naturnah, die Reben stehen im Umfeld mit anderen Pflanzen, die Nützlingen im Weinberg Lebensraum geben.
Der Gigondas von Ouréa besitzt Kraft und Ausdruck, ein schönes Gerüst eingebundener Tannine, die den Wein zu feinem, aber nicht zu überladenem Essen perfekt wirken lassen werden.
Den Gigondas passt zu: Wein passend zu Steak, Wein zu Lamm, Wein passend zu Wild, Wein passend zu Risotto
Der Wein Gigondas 2024 wurde von Domaine d'Ouréa erzeugt. Das Weingut liegt in der Region Gigondas.
Enthält Sulfite · Erzeuger: Domaine d'Ouréa · Inverkehrbringer: weinraum