Carignan
Moderne Weine aus Carignan
Und heute wollen Winzer, die aus Carignan besondere Weine erzeugen, davon auch nichts mehr wissen: sie reduzieren Wucht und Tannin, um die feinen Seiten hervorzuheben. Und davon gibt es genug bei dieser alten Rebsorte.
Der Geschmack von Carignan
Auch heute werden Carignan Reben in kargen, trockenen Gegenden im Süden Fitou, Corbières, Roussillon angebaut, aber mittlerweile oft in den besten Lagen. Der Ertrag der Reben wird drastisch reduziert, um das Aroma in wenigen Trauben zu konzentrieren.
Aus solcher Lage können ausgesprochen dunkle, reichhaltige Weine gewonnen werden, die zum Teil sehr lange in der Flasche reifen können. Sie schmecken nach dunkler Schokolade, Früchten wie Pflaume, Kirsche und kleinen sehr reifen Beeren, würzigen Noten wie Pfeffer und duftendem Garrigue.
Die feine Seite des Carignan
Völlig andere Weine werden hingegen erzeugt, wenn die Wucht der kleinen kräftigen Beeren gezügelt wird. Wie im Beaujolais werden die Trauben ganz in den Gärbehälter gegeben und der Deckel verschlossen. Die Gärung beginnt in den Beeren, ohne Kontakt vom Fleisch der Beeren zu den Schalen - die sogenannte Ganztraubengärung.
Wie im Beaujolais sind es die primären Fruchtaromen, die mit dieser Gärung betont werden. Es sind frisch fruchtige, angenehme Weine, die so aus der Sorte gewonnen werden. Oft, nicht immer, wird die Lese eher früh begonnen, um den Gehalt an Alkohol in niedrigeren Regionen halten zu können. Auch das trägt zum modernen Geschmacksbild dieser Carignan bei.
Eine weitere und ausgesprochen ansprechende Facon sind Weine von kargen, mineralischen Böden, etwa dem reinen Schiefer in einigen Lagen des Corbières, etwa der Domaine Monteluzia. Oder öfter zu finden im Faugères, einem reinen sehr alten Schieferboden aus dem Perm, von dem geschliffene, mineralisch feinsinnige Weine aus Carignan oder den vorgeschriebenen Cuvées stammen.
Weine nur aus Carignan erzeugt
Weine nur aus der Sorte Carignan können ein hervorragendes Aushängeschild von Winzern sein. Die Vorschriften der Appellationen im Süden schreiben jedoch Cuvées vor, wenn sie die Appellation im Namen tragen sollen. Etwa «Fitou», «Corbières» oder «Minervois» um einige aus dem Languedoc zu nennen. An der Rhône und im Roussillon ist es nicht anders.
Reinsortige Weine müssen daher als einfache Landweine deklariert werden. Der Grund ist, dass die Weine dann typischer sein sollen. Was viele Winzer davon halten, ist auch klar: nichts. Sie geben ihren Weinen verballhornte Namen der Appellation, etwa «Filou», «Fityou» oder «Cor Bière».
Kleine Geheimtipp: bei solchen Weinen kann man fast immer getrost zugreifen.
Reduzierter Ertrag
Von solchen Rebanlagen werden 50, 30 oder auch nur 15 hl/ha gewonnen, möglich wären 200 hl/ha. Bei diesem niedrigen Ertrag eröffnet Carignan ein unglaubliches Potential an Aromen, die zudem seidig ausgebaut werden und eher einen burgunderartigen Charakter haben als schwere Weine des Languedoc oder Roussillon.
Das mitunter harte Tannin des Carignan kann in modernen Weinkellern durch Oxidation reduziert werden, wenn die Weine nicht die beschriebene Ganztraubengärung durchlaufen haben. Sie sind bei klassischer Gärung deutlich kräftiger, die Oxidation reduziert jedoch die Gerbstoffe.
Weinberge im Wind
Es hat einen Grund, warum die Sorte rund ums Mittelmeer so verbreitet ist: den Wind. Carignan ist recht empfindlich gegen Mehltau. Wind trocknet die Trauben nach einem Regen und verhindert sehr effektiv die Ausbreitung dieser Krankheit. Und Wind gibt es am Mittelmeer nahezu ständig.
Verschiedene Böden
Die geologische Zusammensetzung der Weinberge im Süden von Frankreich, aber auch Italiens und Spaniens ist durch die Verschiebungen der Kontinente in der Erdgeschichte auf kleinem Raum oft sehr wechselnd. Vom Schwemmland der flacheren Lagen des Languedoc, den groben Kieseln im Roussillon oder dem uralten Boden des Faugères - Carignan wird auf all diesen Böden angebaut. Er mag keine zu große Feuchtigkeit, kann jedoch große Zeiten der Trockenheit gut überstehen, da er sehr tief wurzelt.
So schmeckt Carignan und zu diesem Essen passt er
Die dicke Schale des Carignan gibt ihm viele Aromen mit. Carignan ist voll, dunkel und dicht. Oft wird der Wein im Weinkeller oxidiert, was seine prägnante Säure mildert. Die Lagerfähigkeit sinkt, aber der Wein ist jung freudvoller zu genießen. Es gibt sehr verschiedene Weintypen dieser Sorte.
weinraum - Carignan sind trinkfreudig, saftig und aromatisch. Die Fruchtaromen sind dicht: dunkle reife Beeren, Lakritze, pfeffrige Noten. Sie sind ideale Begleiter von «rundem» Essen: geschmorten Fleisch, mit Gemüse im Ofen gegartes Fleisch.
Zu vegangem Essen können die kräftigen Weine eher dominant wirken, die feinen aus dem Faugères hingegen überdeckt werden.