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Wein

Wein ist wie das Essen dazu ein Naturprodukt
Wein ist wie das Essen dazu ein Naturprodukt

Über Wein wird ziemlich viel Blödsinn geschrieben und sich viel um Kaisers Wein - Bart gestritten. Leider hat in zumindest westlichen Kulturen die vermeintliche Kenntnis von Wein Kultstatus ... mir liegt das fern, hier geht es um Wein als Quell der Freude für Leute, die Spaß an gutem Essen und Wein haben.

Begonnen hat der Weinbau vor Jahrtausenden und fast eben so lange wusste keiner der Winzer, was eigentlich mit den Beeren im Weinkeller passierte - und so schmeckte der Wein vermutlich auch.

Louis Pasteur hat dann 1857 nachgewiesen, dass Mikroorganismen an der alkoholischen Gärung beteiligt sind. Dann hat es noch einmal sehr lange gedauert, bis man mit diesem Umstand wirklich etwas anfangen konnte. Im wesentlichen war es moderne Ausrüstung im Weinkeller, die zunächst einmal ein bis dahin völlig unbekanntes Maß an Sauberkeit ermöglichte.

Die Sauberkeit ist so wichtig, weil sich sonst Hefe in den Ritzen der Anlagen einnisten und beim Befüllen mit dem neuen Jahrgang ein munteres Eigenleben führen - nicht immer im Sinne der Winzer.

Dann kam die aktive Kühlung der Moste hinzu, die dem Eigenleben der Hefen durch Absenken der Gärtemperatur einen weiteren Riegel vorschob: die Gärung verläuft seit der Temperaturkontrolle weit geregelter, Fehltöne und Fehler im Wein sind weit weniger geworden.

 

Neben den Änderungen im Keller wurden im Weinberg völlig andere Arbeitsmethoden eingeführt. Um es kurz zu machen: als eine neue Winzergeneration anfing, gesunde Trauben von den Reben zu schneiden, um den Ertrag zu reduzieren und die Qualität zu erhöhen, gab es Krieg mit den Altvorderen. Für sie waren sich biegende Rebstöcke und prall gefüllte Weinberge der Segen der Winzerkunst. Trauben weg zu werfen war so weit außerhalb ihrer Vorstellungskraft wie der Mond.

Es hat sich einiges getan in der Weinerzeugung.

Leider auch in der Weinwerbung. Auch die Läden mit den großen Parkplätzen haben verstanden, dass ihre Produkte mit Bildern glücklicher Bauern verziert werden müssen, «handwerklich» ist alles erzeugt, aus «Manufakturen» gar. Bei den erforderlichen Mengen ein Witz, aber der framing Effekt wirkt: man glaubt es irgendwann.

Die Parker-Punkte Wein Industrie arbeitet ähnlich. Es gibt Kollegen, die Verkaufen nur noch Punkte und der Name vom Winzer steht irgendwo 
klein neben der Datenschutzerklärung.

Solche Prinzipien wirken, der Konsument wird lenkbar, das reduziert die Breite des Sortimentes und damit die Kosten für Lager- und Logistik drastisch. Da es schon oft genug beschrieben wurde, kommt jetzt nicht der Hinweis auf den Geschmack, der verschwindet.

Was erwartet einen Konsumenten heute, der Wein kauft?

 

Die Antwort ist naturgemäß diffus - zumindest dies ist natürlich. Ich habe - privat, unterwegs - in Supermärkten schon billigen Wein gekauft und guten Weine bekommen. Ich habe - als Weinhändler - schon viele Weine von ambitionierten Winzern bekommen, die gruselig waren. Ein sehr beliebtes Weinland tut sich dabei besonders hervor.

Ebenfalls als Händler habe ich zwar nur eine Genossenschaft im Programm (Collines du Bourdic), aber die macht hervorragende Weine. Es gibt einige davon, wenn auch nicht viele. Also können auch sehr große Weinfirmen guten Wein erzeugen. Ohne bio, ohne Romantik.

Dann gibt es Weine mit den großen Anzeigen in den Zeitschriften, Parker Punkten und den ganzen Glamour. Wer es mag.

Na was ist denn nun gut?

Wein wird im Weinberg durch gute Lagen, passende Rebsorten im Weinberg und die richtige Bearbeitung erzeugt. Es gibt Lagen und Rebsorten, die eignen sich für höhere Erträge, die Bearbeitung mit Maschinen und größere Erntemengen verteilt auf verschiedene Weinberge. Von solchen Anlagen werden kaum große Weine kommen, aber gute, selbst sehr gute Weine sind möglich. Voraussetzung ist eine ambitionierte Firma, die solche Weine erzeugt.

Das gilt bei kleinen Winzern genauso: nur, weil der Winzer kleine Flächen oder eigene Weinberge bewirtschaftet, kommen noch lange keine guten Weine von einem solchen Winzer. Gerade solche Genossen können einen ausgesprochen einfachen Geschmack haben und nicht einmal einen Ansatz von einer Vorstellung, was einen guten Wein ausmacht. Schlicht weil sie im Leben nicht auf die Idee kämen, zu einem Essen einen anderen Wein als den eigenen zu öffnen. Geschweige denn einen guten. Alles schon erlebt.

 

Das Gespräch mit den Winzern oder Firmen ist unerlässlich, um seine Partner zu kennen. Genau diese viele Arbeit kann man sich als Händler sparen, wenn man auf Punkte und Sternchen baut. Das verkauft sich immer, nur weiß man selten, was man in den Flaschen hat.

Und dann gibt es noch den Weinkeller

Wein wird im Weinberg erzeugt, eine alte Weinbauernregel. Im Weinkeller werden aber die Wunder vollbracht. Entweder als Handwerk oder Chemiewerk. Die Vorgänge im Weinkeller sind ausgesprochen komplex und man kann mit technischen, biologischen und chemischen Mitteln aus zusammen gekauften Trauben einen Wein erzeugen.

Und die Winzer können aus gesunden Trauben mit natürlichen Mitteln einen Wein erzeugen, der ein Abbild des Jahres im Weinberg ist, das Terroir seiner Entstehung wieder gibt oder auch den Charakter der Trauben - eine Philosophie, die eher von Winzern in Übersee verfolgt wird.

Die beiden Weintypen verhalten sich wie eine bunte Keksmischung zu Omas Weihnachtsplätzchen. Das merken auch Laien, man / frau muss solche Wein nur nebeneinander probieren.

 

Und dann hauen sich noch die Guten die Köpfe ein

Lässt man die komischen Parker und Sternchen Weine weg, auch die Industrieware der Großhändler und bleibt bei den handwerklich erzeugten Weinen, dann streiten sich die Fachleute. Je oller, je doller. Jeder hat sein Credo und so muss es sein.

Über Verschlüsse wird gestritten, über Weinstile, wie viel bio wirklich bio ist. Ob die Trauben von einem Terroir kommen müssen oder lieber der Sortencharakter wieder geben sollen... 

Dabei ist es einfach

Wein wird aus gesunden Trauben gewonnen. Im Weinkeller wird weitgehend ohne künstliche Mittel Wein daraus erzeugt. Das Ergebnis ist ein harmonischer Wein mit Eigenschaften. Den Wein oder die Eigenschaften kann man mögen - oder nicht. Aber es sind welche da und nicht weggebastelt, um einen Wein passend zur Pizza aus der Packung zu machen.

Sofern man nicht selbst zu Winzern fahren kann oder will, ist eine detaillierte Information über den Winzer ein sehr vertrauensbildender Weg sich über seine Weine zu informieren. Aus dem Grunde stehen zu meinen Winzern im weinraum sehr viele und möglichst detaillierte Informationen oder Eindrücke von meinen Besuchen.

Ich wünsche viel Vergnügen damit und besonders mit den feinen Weinen aus ambitionierter Winzerkunst.